Was muß dieses Album damals für Begeisterungsstürme ausgelöst haben - im Metal zuvor nie gekannte Virtuosität und Dramatik, die das Debut der damals noch sehr jungen Band (schaut euch die Fotos mal an - es ist gut, das sich die Zeiten geändert haben) auch heute noch als Referenzalbum dastehen lassen. In den Alltime Rock Hard-Redaktionscharts rangiert es nach wie vor ganz oben.
Die vier Berklee-Studenten, damals noch mit dem wesentlich älteren Sänger Charlie Dominici, transportierten den Spirit von Bands wie Rush in den Metal Sound. Diese Richtung ist es auch, die hier unverfälschter als später zelebriert wird. Die Einflüsse aus etwa dem Jazz oder alten Deep Purple treten hier noch nicht auf. Vielmehr offeriert das Album uns das, was später zig Bands zu adaptieren versuchten, es aber nie so rüberbrachten wie Dream Theater: Bombastischer, vertrackter Metal mit Speed und guten Melodien - alles mit heftiger 80er Schlagseite (war ja in den Eighties auch normal und unverwerflich...)
Der Opener A Fortune In Lies macht sofort klar, dass dieser Band so schnell keiner etwas vormacht - Keyboard-/Gitarrenduelle, rasend schnelle Bassläufe und das powervolle Drumming von "Oktopus" Mike Portnoy. Charlie Dominicis Stimme passt dazu wie die Faust auf's Auge, sie ist insgesamt höher als die von James LaBrie (und für mich auch klar besser - letzterer klingt live wirklich schlecht - schaut mal "Five Years in a Livetime" und ihr habt den Beweis. Es ist bezeichnend, das die Jungs kaum noch etwas von diesem Album live darbieten), jedoch nicht minder gefühlvoll.
Status Seeker klingt dann nach 80er Hard Rock-mit wunderschönen Melodien und sehr eingängig. Der Ytse Jam zwingt danach zahlreiche Musiker zum Verkauf ihrer Instrumente, während das mehrteilige The Killing Hand erneut alle Facetten der Band abdeckt. Die zweite Hälfte des Albums ist nicht minder spektakulär, man gibt sich keine Blöße und haut speziell mit Afterlife oder The Ones Who Help To Set The Sun weitere Klassiker raus.
Ein wegweisendes Album, welches die späteren Glanztaten der Band erahnen ließ.
FAZIT: Eine Band der Superlative hat ihre erste Duftmarke hinterlassen, die im Gegensatz zu späteren Alben auch noch dem gewöhnlichen Metaller, den die Frickelei gar nicht interessiert, gefallen könnte. Alle anderen haben sie eh schon auf dem Altar stehen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
John Myung
Charlie Dominici
John Petrucci
Kevin Moore
Mike Portnoy
MCA Records
51:30
1989