Der Vorgänger zu "The Visitor" ist kein solcher Volltreffer. Am Sänger kann's nicht liegen, denn alle Arena Sänger pass(t)en gut zur Musik, beim ersten Hören der Platten fällt der Unterschied nicht einmal auf. Es sind die Songs, die noch nicht so ausgereift klingen, was vor allem an der Überlänge mancher (Valley of the Kings, Solomon) Titel liegen kann. Nur drei von neun Liedern reichen nicht an die Fünf Minuten - Marke. Insgesamt gesehen klingt alles etwas langatmig und - wenn man will - atmophärisch, denn die Band verstand es schon immer gut, verschiedene Stimmungen zu erzeugen. Auch die Texte sind erneut lesenswert.
Richtig schlecht können Arena - Alben nicht sein, doch dieses frühe Dokument ihres Werdeganges ist einfach noch zu austauschbar mit anderen/früheren Veröffentlichungen der Landsleute Arenas - etwa alte Marillion (ohne deren Hitdichte), oder Pallas. Was fehlt, ist noch der Mut zum Ausbruch aus den gegebenen Schemata und der für Proggressive Rocksbands als zwingend angesehenen Sperrigkeit (progressiv sein geht auch anders).
So ist dieses Werk eher retro als prog, qualitativ keineswegs minderwertig, sondern einfach nur noch zu gewöhnlich für eine Band dieses Kalibers.
FAZIT: Die Zeit ist noch nicht reif für die Großtaten der Band (nämlich "The Visitor"). Da guter britischer Prog aber rar ist, greift der geneigte Fan hier zu, denn Qualität bekommt er hier auf jeden Fall geboten. Der Rest nimmt besagtes Vorzeigealbum, um dann zu entscheiden, ob er den Rest von Arenas Schaffen auch benötigt.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
Cliff Orsi
John Carson
Keith More, Steve Rothery
Clive Nolan
Mick Pointer
SPV / Verglas Music
58:24
1995