Zurück

Reviews

Depressive Age: Electric Scum

Stil: Thrash Metal / Progressive Metal

Cover: Depressive Age: Electric Scum

Der Schwanengesang dieser begnadeten Jungs: Es war nach diesem Album klar, dass nicht mehr viel kommen konnte, denn wer hätte dieses Album kaufen sollen? Die eingefleischten Fans vielleicht noch, aber eine breitere Hörerschicht zu erreichen war trotz Namensänderung (D-Age, kurz nach Veröffentlichung) nicht drin. Zu viele unterschiedliche Ausrichtungen hat dieses Album. Mir persönlich gefällt es sehr gut und es wirkt auf mich auch im ganzen homogen - andere mögen mir da sicher wiedersprechen. Fakt ist jedoch, dass die Band einmal mehr ein abwechslungsreiches und originelles Album geschaffen hat, das in dieser Form noch nicht da war. Da wechseln sich Südländisches Flair (Companero Song, mit spanischem Text) mit kalter Sterilität ab (Sports Yells, mit Drumcomputer, Polar Athletic Son). Samples und Keyboardsounds sind feine Pinselstriche in dem Bild, das Depressive Age gemalt haben. Sie wirken nie störend und unterstützen den jeweiligen Song (etwa Toyland Hills). Die für die Band typische Melancholie besteht nach wie vor (Featherflute), das Bronski Beat - Cover Smalltown Boy über einen homosexuellen Jungen ist inhaltlich fast schon Programm (die Rolle des Außenseiters, der sich nirgendwo zugehörig fühlt, scheint dieser Gruppe wie auf den Leib geschrieben). Hinzu kommen die abgefahrendsten Lyrics der Bandgeschichte (Cairo Crabat - lieber Jan, was isst du für Pilze?) und ein moderner Heavy-Sound von Rammstein-Produzent Ronald Prent. Wer sein Album mit einer so strangen Nummer wie dem Titelsong starten lässt, der hat Mut. Den haben die vier (Ingo Grigoleit ist als zweiter Gitarrist ausgestiegen) hier zu genüge bewiesen. Angesichts dieser Platte soll niemand sagen, es gäbe keine deutschen Bands mit eigenem Profil - diese hier käut definitiv keine ausländischen Trends wieder.
Leider ist das mit der Originalität so eine Sache: Die meisten wollen sie nicht hören. Entweder war mangelnder Erfolg das Ende dieses Haufens oder bandinterne Orientierungslosigkeit...ich schätze, ein wenig von beidem. Die Namensänderung sowie ihr Outfit grenzten Depressive Age bewusst von der Metal-Szene ab - vielleicht ein Fehler? Definitiv ist aber, dass hier einige versteckte Songperlen darauf warten, entdeckt zu werden, denn songorientiert ist "Electric Scum" - und darum geht es doch schließlich...um gute Musik, nicht um Sparten, oder?

FAZIT: Harte Kost, definitiv! Ich kann keinem Spartenfreund das Album empfehlen, jedoch Fans guter Musik. Eine songorientierte Scheibe, die nach mehrmaligem Genuß eine ganze Menge Ohrwürmer enthält und zudem reichlich einzigartigen Charme versprüht.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.02.2008

Tracklist

  1. Electric Scum
  2. Cairo Crabat
  3. Remember (Je T'aime, Taverne Noir)
  4. Teenage Temples
  5. Small Town Boy
  6. Featherflute
  7. Toyland Hills
  8. Companero Song
  9. New Machine Wisdom
  10. Polar Athletic Son
  11. Weird Boy
  12. Sports Yells

Besetzung

  • Bass

    Tim Schallenberg

  • Gesang

    Jan Lubitski

  • Gitarre

    Jochen Klemp

  • Schlagzeug

    Norbert Drescher

Sonstiges

  • Label

    G.U.N.

  • Spieldauer

    45:00

  • Erscheinungsdatum

    1996

© Musikreviews.de