Als Keyboarder Kevin Moore 1994 nach der Veröffentlichung von "Awake" die Band verließ, lauteten seine letzten Worte in den Interviews: "Ich bin mir sicher, Dream Theater haben der Welt noch eine Menge mitzuteilen; ich wünsche den Jungs alles Gute". Er sollte Recht behalten. Bereits das `89er Debütalbum "When Dream And Day Unite" war weltweit mit euphorischen Kritiken bedacht worden und geniesst unter Fans Kultstatus, aber was DT hier auffahren, spottet jeder Beschreibung und dürfte mittlerweile zu massenhaft frustrationsbedingten Bandsplits im Prog-Underground geführt haben.
Die Produktion lag diesmal in den Händen von Mike Portnoy (dr) und John Petrucci (g) selber, Kevin Shirley zeichnet auf "SfaM" nach dem `97er Flop "Falling into Infinity" nur fürs Mastering verantwortlich. Ergebnis: Ein druckvoller, Gitarren- und Drums-orientierter, herrlich transparenter Sound und mit Fatal Tragedy und Beyond This Life die härtesten DT-Songs aller Zeiten. "SfaM" wirkt wieder wie aus einem Guß (Der Ansatz von "Falling Into Infinity", jedem Song einen anderen Sound zu verpassen, war zwar interessant, funktionierte aber m.E. bei den Balladen nicht), obwohl DT ihr eigenes Spektrum ausreizen wie nie zuvor.
Die ersten drei Tracks erfüllen die Aufgabe, den Hörer in die Story einzuführen, mit Bravour und bauen gekonnt einen Spannungsbogen auf, der einen mit zitternden Fingern zurückskippen läßt in dem Glauben, es könne unmöglich besser kommen (Eine Frage, die ich nach nunmehr 200 Durchläufen immer noch nicht beantworten kann). Pate gestanden hat hier offensichtlich Queensryche´s Meisterwerk "Operation: Mindcrime", bei dem die Kombination "gesprochenes Intro - bombastisches, aufpeitschendes Instrumental - schnelle Ohrwurmhymne" auch schon prima funktionierte.
Weitere Highlights sind die Überhymne Home, die Breakorgie The Dance Of Eternity (Das akustische Pendant zu vier Mathematikern, die über nichtlineare Differentialgleichungen diskutieren), die eine verdammt harte Nuß selbst für eingefleischte Fans darstellt und ansonsten wohl nur als Rausschmeißer in Discos funktioniert, und das abschließende Epos Finally Free.
Zum Abschluß ein Zitat von Mike Portnoy: "Ich bin so stolz auf dieses Album, dass ich wirklich nicht weiss, wie es weitergehen soll. Wir werden etwas total anderes machen müssen." Angesichts der Orchestrierungen, die sich der neue Keyboarder Jordan Rudess hat einfallen lassen (The Spirit Carries On), empfehle ich die Zusammenarbeit mit einem Symphonieorchester, das würde Metallica definitiv ziemlich alt aussehen lassen...
<em>Jens Erfurth</em>
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
John Myung
James LaBrie
John Petrucci
Jordan Rudess
Mike Portnoy
Elektra
77:14
1999