Die harte Seite des Konzepts von der Reise durch Raum und Zeit bis zum Ursprung des Lebens wartet mit vielen bekannten Gesichtern/Stimmen auf: Bruce Dickinson, Andi Deris (Helloween), Michael Romeo und Russel Allen (Symphony X) und wie sie alle heißen.
Musikalisch geht es hier natürlich deftiger zur Sache, was gut zum Konzept passt. Sphärische Keyboards verbunden mit fetten Gitarrenriffs kreieren einen Soundteppich, auf dem man dem Migrator durch die Weiten des Alls hinterherfliegen kann. Die Scheibe ist sehr songorientiert, wenn man von den Instrumentaltracks absieht. Hier liegt allerdings auch der Hase im Pfeffer, denn man merkt, dass einige Songs auf die jeweiligen Sänger derart zugeschnitten sind, dass sie wie Ergüsse der jeweiligen Hauptband klingen, beziehungsweise einige der Sangesknaben einfach nicht variabel genug sind, um den Songs gerecht zu werden (Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Arjen Lucassen einige nicht von mir bevorzugte Sänger wie Pseudo-Halford Ralph Scheepers und die reichlich durchschnittlichen Rhapsody- und Stratovarius-Heulbojen eingeladen hat) Überzeugen können vor allem die beiden Songs mit Bruce Dickinson und Russel Allen, weil die zwei einfach kraftvoll sind, Klasse haben und nicht true Metal-like herumjaulen.
Das Album ist natürlich beileibe nicht schlecht (vorzügliche Musiker, nur ohne Mut zu mehr Experimenten), jedoch für Lucassen etwas zu gewöhnlich. Dass er mit den separaten Releases der beiden Scheiben ein Risiko eingegangen ist, kann er mir nicht erzählen, denn wer eine hat, kauft auch die andere. Wieso trennt er beide Stilrichtungen so krass - die Fans seiner Musik mögen doch alle zwei Seiten daran, oder?
Da der erste Teil des Duos auch nicht vollständig überzeugen kann, wäre es besser gewesen, die Highlights beider durchwachsener Scheiben auf eine verdammt starke LP zu bannen, doch dann hätte man nicht mit so vielen Namen hausieren gehen können, oder? Wie gesagt: gute Scheibe, gute Songs - leider aber "nur" gut.
FAZIT: Der "Migrator" - Stoff fällt im Gegensatz zu den bisherigen Veröffentlichungen leicht ab. Natürlich ist er weit davon entfernt, schlecht zu sein, als Einstieg empfehle ich eines der früheren Alben...ich werde diesen schlechten Beigeschmack bei all den großen Namen einfach nicht mehr los...
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
Arjen Anthony Lucassen
Sir Russel Allen, Ralf Scheepers, Andi Deris, Bruce Dickinson, Fabio Lione, Timo Kotipelto, Robert Soeterboek, Ian Parry, Damian Wilson, Lana Lane
Arjen Anthony Lucassen, Michael Romeo, Oscar Holleman, Gary Wehrkamp
Arjen Anthony Lucassen, Erik Norlander, Rene Merkelbach, Clive Nolan, Keiko Kumagai
Ed Warby
Transmission Records
65:35
2000