Dungen sind das Geisteskind des Schweden Gustav Ejstes. Im neuerlichen Bindestrich-Wahn des Musikbetriebs kann man zur Beschreibung seiner Klänge Folk, Psychedelic und Alternative aneinander reihen, was natürlich alles und nichts bedeutet.
Akustische wie unverzerrte E-Gitarren tragen den Sound des Albums; sein näselnder Charakter gemahnt an drei oder vier Dekaden alte Produktionen. Zur neuzeitlichen Wiederbelebung der glorreichen Zeit der Rockmusik gehört des Bandkopfs klar-natürlicher Gesang; er evoziert zusammen mit den zwischen verhallt und knarrend variierenden Saiteninstrumenten wohl den Alternativ-Terminus - ich denke vor allem an den ruhigen John Frusciante. Skandinaviens Melancholie bleibt weitgehend außen vor, doch archaische Synthies rücken Dungen in den Dunstkreis der Prog-Szene ihrer Heimat - Sinkadus, aber vor allem späte Landberk.
Dabei artet man nie in ausschweifende Arrangements aus; das Eröffnungstrio etwa gibt sich eingängig mit unverbrauchten Mitsingmelodien (so man des Schwedischen mächtig ist).. Der Mittelteil des Albums ist weitgehend instrumental gehalten: ein gefälliger Kontrast, um bei aller Kompaktheit nicht ins Beliebige zu verfallen. Ejstes lebt hier seine experimentelle Seite aus; gut verdaulicher Jazz ist das Stichwort, sobald das Saxophon vor schreitender Rhythmusgruppe aufspielt. Dies wie auch der Einsatz von Streichern und Flöten erinnert positiv an frühen Artrock. Heute ist das natürlich retro, wozu auch die warm tönende Produktion beiträgt.
Das letzte.Drittel der Scheibe bietet wieder Gesangsorientiertes, wobei die ausgefallenen Arrangements beibehalten werden. Einen „Hit“ konnte ich nicht ausmachen; es liegt sicher an meiner Unkenntnis der Sprache, dass die gesangslosen Stücke für mich die Glanzlichter sind. Das Album als Ganzes wirkt etwas fragmentarisch, was solchen Alleingängen mit musikalischen Statisten häufig zu eigen ist. Ejstes mag viele Ideen haben, doch sein Charakter ist offenbar nicht facettenreich genug, um dauerhaft charismatische Musik zu erschaffen. Bei zukünftig mehr Bandfeeling reißt bestimmt das Werk als Ganzes mit - so sind es bloß einzelne Passagen. Die Note für dieses Patchwork ist demnach ausbaufähig, wenn die Nahtstellen beim nächsten Mal sauber ausgeführt sind.
FAZIT: Dungen empfehlen sich Fans ursprünglicher Gitarrenmusik, der man ihre schwedische Herkunft anhört. Als Einzelkämpfer ist Gutaf Ejstes jetzt schon besser als viele hochgepuschte US-Kollegen. Das etwas unhomogene Material mag man dabei wahlweise als unfokussiert oder abwechslungsreich interpretieren - reinhören ist also angesagt!
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
Gustav Ejstes, Reiner Fiske, Henrik Nilsson
Gustav Ejstes
Gustav Ejstes, Reiner Fiske
Gustav Ejstes
Reiner Fiske, Fredrik Björling
Gustav Ejstes (Violine, Floete), Aron Hejdström (Saxophon)
Subliminal Sounds
53:25
2005