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Ankla: Steep Trails

Stil: Modern Metal

Cover: Ankla: Steep Trails

Celtic-Frost-Shirts in Kombination mit Hornbrillen auf Bandfotos opulent aufgemachter Digipacks schreien nach hippem Ami-Metal. ANKLA wurden von Bob Marlette gebügelt und mit einem gehörigen Sprüher Slipknot gestärkt. Neue Amerikanische Welle a la Shadows Fall ist dies also weniger, ebenso wie die angeblich prominenten lateinamerikanischen Einflüsse eher sekundär sind.

Brüll, brüll...ist ja schon gut, du bist ganz böse oder kehrst zumindest gerne eine solche Attitüde heraus. Spiritualität und Schimpfe haben gleichen Anteil an den Texten, die Ikaro Santana bellt. Nicht nur dies erinnert in „Step Ahead“ an prä-Greene-Sepultura oder Soulfly – die Riffs sind ähnlich neumetallisch und Hauptträger des Songmaterials. Allerdings zockt ex-Puya-Mann Ramon Ortiz auch das eine oder andere gekonnte Solo, und der Sound der Debütscheibe ist in seiner druckvollen Glätte auch nicht mit den rotzigen Sepultura vergleichbar. Teilweise klarer Gesang versenkt ANKLA (bedeutet Anker) tiefer im aktuellen Konsenstümpel der US-Härte. Die erwähnte halbherzige Miteinbeziehung der ethnischen Wurzeln der Bandmitglieder äußert sich immer, wenn alleine die als „latino-mäßig“ identifizierten Parts wie in „Deceit“ die Hookline im Aggro-Einerlei darstellen. „Suelta Del Ankla“ wird einfach ein akustisches Outro ohne Zusammenhang angeklebt, und im zwischen Brutalität und Groove schwankenden „Your Grace Makes Me Sick“ tönen die Musiker leicht orientalisch.

Über kurze Hassbekundungen wie „Flush“, „Generacion Mutante“ oder den „Go!“-Thrasher „Still Alive“ täuschen differenziertere Spielereien nicht hinweg. Melodiöse Leadbass-Bridges und der ob seiner raren Präsenz fast redundante Perkussionist sind seltene Eingeständnisse der Gruppe: ANKLA kochen sich selbst auf allgemeingeschmackliches Niveau herunter, anstatt durchschimmerndes Können und Kreativität zur Eigenständigkeit zu erheben. Auch schwarzmetallisches Hämmern oder im heimischen Death Metal wildernde, zitternde Gitarrenriffs machen diese Gruppe nicht für herkömmliche Metaller interessant; den New-Metal-Freunden dürfte diese energiereiche Gleichförmigkeit hingegen gefallen. Überraschungen? – Fehlanzeige.

FAZIT: Mainstream-Metal höt sich heutzutage so an wie ANKLA: Die gewalttätige Haltung herauskehren, aber fein gestriegelt und technisch beschlagen sein; den Rebellen mit einem Auge auf Märkte schielend mimen und herkunftsbedingte Exotik als besonders individuell verkaufen. Prinzipiell professionelles Neumetall, protzig und prätentiös – Vergleiche auch: Ill Nino.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008

Tracklist

  1. Intro – Sickening
  2. Step Ahead
  3. Deceit
  4. Seasons Never Change
  5. Generacion Mutante
  6. Still Alive
  7. Suelta El Ankla (Boqueion)
  8. Your Grace Makes Me Sick
  9. Glimpse
  10. Flush
  11. Scattered Existence
  12. Steep Trails

Besetzung

  • Bass

    Edgar Gonzales

  • Gesang

    Ikaro Stafford Santana

  • Gitarre

    Ramon Ortiz

  • Schlagzeug

    Pepe Clar Magana

  • Sonstiges

    Oscar Santiago (perc)

Sonstiges

  • Label

    Bieler Bros/Rough Trade

  • Spieldauer

    49:00

  • Erscheinungsdatum

    2007

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