Survival of the tightest…Amerikanischer Death Metal ist das szenegewordenen Gesamtwerk AC/DCs, auch wenn ich Menschen kenne, die alle zugehörigen Bands auseinanderhalten können und sogar unterschiedliche Qualitäten ausmachen. Wo sind nun DYING FETUS anzusiedeln: „Back In Black“ oder „Fly On The Wall“?
Noch einmal: Es geht um das Zusammenspiel in dieser Gattung – um Sekundenbruchteile und akribisch im Proberaum oder in Heimarbeit auf bestimmte Taktzeiten gelegte klangliche Ereignisse, die zu Songlänge aufgestaffelt werden, ohne schließlich Lieder darzustellen. Beeindruckende technische Mätzchen sind dabei die Natur der Sache, jedoch allenfalls dekorativ - Der Komplex, einen Legitimitätsbeweis für Außenstehende erbringen zu müssen, dass extremer Metal musikalisch gehaltvoll ist? – Andererseits drückt diese Beschlagenheit nur angemessen die dem Metal ureigene Kompromisslosigkeit und Entschlossenheit zur Macht aus. Kaum wirkt diese Musik inspirierend auf den Hörer; höchstens dahingehend, dass er sein Instrument zum Üben in die Hand nimmt oder kurzzeitig Aggressionen abbauen kann.
Dies beschreibt den schlimmen Fall von US-Death. Günstig sind lesenswerte Texte, weil Verstehen im Gegensatz zur europäischen Version meist ohnehin selten ist. DYING FETUS gelten seit jeher als sozial und politisch engagiert, worauf auch heuer Titel wie Plattencover schließen lassen. Der Hardcore-Hintergrund ist also noch vorhanden, wenn auch musikalisch schon seit einigen Alben nicht mehr. Die Band leidet unter der beschriebenen Gesichtslosigkeit, betreibt aber durch Tempovariation und längere Stücke als Prävention von Atemlosigkeit zumindest etwas Ergebniskosmetik. Ehrlich: wer bezeugt ernsthaft intensive Liebe zur Musik der Band? – Es ist doch eher ihr klangliches Erscheinungsbild und ihre Geisteshaltung, was Granitohren für sie vereinnahmt. Dass DYING FETUS sich von Satans- und Metzelgeschichten abheben ist lobenswert – macht es sie aber herausragend? - Nun, AC/DC-Fans können mit allen Songs ihrer Lieblinge etwas anfangen. Gelegenheitshörer wählen die Klassiker, und ein solcher ist dieser „Zermürbungskrieg“ nicht geworden.
FAZIT: Amerikanischer Death Metal für niemanden sonst außer Freunde amerikanischen Death Metals.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
Sean Beasley
John Gallagher
John Gallagher, Mike Kimball
Erik Sayenga
Relapse/SPV
36:51
2007