Landläufig wird ja behauptet, dass vertrackte Musik nichts sei für sonnengeflutete Sommertage. Ganz falsch, denn das mittlerweile fünfte Album des Ami-Quintetts macht mit seinem ganz speziellen Charme auch bei Licht und Hitze Spaß, weil nämlich „The End Has Begun“ trotz eines düsteren Weltuntergangskonzepts genau dieses zu bieten hat: Dieser Sound ist unglaublich warm und strahlt in behaglichem Orange direkt in die Seele.
„The Word Is Born On Flame“ und „The End Is Begun“ startet sowas von fulminant, dass man schon spontan im Rausch von Adrenalin und Endorphin vom Album des Jahres sprechen möchte. Orchestral und treibend geht es los, schwere Percussion, vertrackte und gleichzeitig irgendwie eingängige Gitarrenarbeit, schwere Akkorde und Marschryhthmen wie aus Ravels „Bolero“ und gänsehautfabrizierende Latin Gitarren kulminieren in einem leidenschaftlichen Orient-Solo an der Sechssaitigen, dazu kommt der gewöhnungsbedürftige, doch hochmelodische und psychedelisch eingefärbte Gesang, der unmittelbar an Claudio Sanchez erinnert und THREE etwas ungerechtfertigt in die COHEED AND CAMBRIA Ecke drängelt. Das erdig schwere, doch stets von transparenten Drumsalven und klaren Chören aufgelockerte „Battle Cry“ leitet über zum Überhit des Album: „All That Remains“ ist eines dieser Stücke, das sich sofort in den Ohren verbeißt und – im Gegensatz zum üblichem Eingängigkeitsgeträller – dort mit willkommener Penetranz auch verweilt. Hier wird Verständigungsarbeit geleistet zwischen Gruppen, die sich sonst entweder misstrauisch beäugen oder herzlich egal sind: Vom Metalhead über den Progfreak bis zum Alternative- und Popschlumpf dürfte hier so ziemlich jedem das Herz aufgehen. Schwer, das in Worte zu kleiden, deswegen hier der unmittelbare Vorschlag bzw. Befehl reinzuhören.
Keine Angst, das wird nicht so eine Rezi, bei der jeder einzelne Song zerpflückt wird, das lassen THREE nicht zu, denn plötzlich wird „The End Has Begun“ sperriger, schwerer zu erschließen. Die fünf Herzblut-Musiker wildern durch mehrere Jahrzehnte handgemachter Musik und verschweißen ihre Einflüsse zu einem Paket, das fordert und belohnt, das an den Nerven zerrt und die Seele schmeichelt mit Akustikpassagen, mehrstimmigem BEATLES Gesang, Alternative Rock, Progressive Rock, Metal und spacigen Orgelwalzerpassagen. Manchmal glaubt man, dass den Herren an den Instrumenten etwas die Fantasie durchgegangen ist, manches Break und mancher Schlenker bleibt unerschlossen und mindert den unvergleichlichen Einstieg in diesen knapp einstündigen Musik-Kosmos ein wenig.
FAZIT: Wilde Achterbahnfahrt über Progressive-Höhen, Alternative-Täler und dunkle Metal-Tunnel. Schönklang und Widerhaken gehen Hand in Hand und sollten jeden aufgeschlossenen Freund handgemachter Musik interessieren – und im Besonderen diejenigen, denen die klassische COHEED AND CAMBRIA Suppe schon etwas fad geworden ist.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
Daniel Grimsland
Joey Eppard
Billy Riker, Joey Eppard
Joe Stote
Chris Gartmann
Joe Stote (perc)
Metalblade
57:17
2007