Seit 1998 veröffentlichen TRANSSYLVANIANS ihre Mischung aus ungarischem Folk und Rock in Albumform und sind vor allem für ihre Liveshows bekannt. Ihr neustes Werk ist eine Doppel-CD geworden, die dem neuen Trend des Kontrastprogramms folgt: auf der zweiten Scheibe stehen ausnahmslos ruhige Stücke zum Verschnaufen nach der lebhaften ersten Hälfte.
Die Eigenkompositionen gliedern sich in die Masse traditioneller und in Deutschland weitgehend unbekannter Weisen aus Ungarn ein. Hendrix´ „Fire“ in einer Folkpunk-Version wirkt ebenfalls nicht wie ein Fremdkörper, weil das Ensemble über die gesamte Spielzeit einen schnörkellosen Sound fährt´- auf der ersten Scheibe angemessen ruppig, aber immer melodiös und von leichter Melancholie durchzogen. Die hemdsärmelige Spielweise ohne großartige Instrumental-Sperenzchen entspricht der Ursprünglichkeit des Materials, auch wenn man vor Adaptionen Bartoks oder „Gloomy Sunday“ („Szomoru Vasarnap“) nicht zurückschreckt.
Aushängeschild der Band ist wohl das kindlich-naive Organ Isabel Nagys, dem im Vergleich zu ihren oft barsch intonierenden männlichen Kollegen der Vorzug zu geben ist. Gerade die bedächtigen Tracks der zweiten Scheibe gewinnen durch ihre Stimme, während die rein instrumentalen Stücke mit einer der Volksmusik eigenen Einfachheit schnell ins Ohr gehen. Die Musiker besitzen die Freizügigkeit, Musik mit scheinbar unvereinbaren Wurzeln zu einem lebensfreudigen Liederbaum gedeihen zu lassen, glaubhaft und ohne Weltmusik-Mief.
Als geschlossenes Album ist eine solche Liedsammlung nicht anzusehen, zumal auch die Länge einem runden Eindruck im Wege steht. CD 1 gefällt durch ihr Abwechslungsreichtum, wohingegen die zarte Seite der Gruppe auf Dauer etwas gleichförmig wirkt. Vielleicht relativiert sich dies, wenn man des Ungarischen mächtig ist. Live zündet diese Musik wesentlich besser, weshalb man den Erwerb dieses Silberlings vornehmlich als Ergänzung zum Konzerterlebnis in Erwägung ziehen kann, so man nicht sowieso beinharter Fan der TRANSSYLVANIANS ist.
FAZIT: Eine Menge unterhaltsames Material zwischen Folk und Rock, das Fans früher Subway To Sally und diverser Ska-Punkbands, aber auch Leuten gefallen dürfte, die gelegentlich auf Klezmer abfahren – garantiert Mittelalter- und klischeefrei.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008
Isabel Nagy, András Tiborcz
Isabel Nagy, András Tiborcz, Hendrik Maaß, Thomas Leisner
Hendrik Maaß
Andreas Hirche
Thomas Leisner
András Tiborcz (violin), Andreas Hirche (accordeon)
Westpark/Indigo
101:40
2007