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Ansur: Warring Factions

Stil: Progressive Metal bar jeglichen Vergleiches

Cover: Ansur: Warring Factions

Keine Parteien im Widerstreit, wie uns der Titel weismachen möchte - ANSUR, die auf dem Debüt noch unbehauene Größe zeigten, haben sich nun zu dem Juwel ausgewachsen, das mühelos Prog und nur noch wenig skandinavische Schwärze in nie gehörter Kombination widerspiegelt.

Prinzipiell besteht dieses Album aus meist ausladenden Songs mit kratzigen Vocals einerseits, jedoch sind diese auf der anderen Seite derart arrangiert, wie es Metal-ferner kaum sein könnte. Wenn jemand hier Opeth schreit, dann zeugt das nur von Hilflosigkeit, verweist aber zumindest auf den durchaus wahrscheinlichen Umstand, das ANSUR einen Haufen alten Prog gehört haben dürften. Die Ausrichtung und Spielweise erinnern an Instrumentalcombos, die nicht bloß im Rock daheim sind. Schon alleine der Gitarrensound - selten richtig verzerrt - würde einem Jazzer stehen, der die Samthandschuhe gelegentlich auszieht und wie im Opener seine erweiterten Akkorde wohligen Orgel- und Bläserklängen anheimstellt. Das Stück gipfelt in einer beseelten Soloperformance ´von einnehmendem melodischen Verständnis - eine Formel, die ANSUR weiterhin noch häufiger anwenden werden. Der elegische Progrock von “Sierra Day” klingt wirklich nach späteren Marillion mit Eier und ohne britische Unterkühltheit. Akustikgitarren werden vom Saxofon aufgefangen, welches am Ende ein Unisono mit der Gitarre spielt. Der Gesang erdet die nie abgefahrene Musik, der man mit halbwegs aufmerksamem Ohr immer habhaft bleibt. Urknorrig ist er in “Phobos Anomaly”, wo die Instrumentalarbeit einmal mehr immens kreativ ist. Die Stimmung von ANSURs Musik bleibt offen; sie sind kantig, ohne richtig aggressiv sein zu wollen und sprechen eigentlich nicht die negativen seiten der Gefühlswelt an - angesichts des Weltuntergangskonzepts (vom ersten Album weitergeführt) verwundert dies ein wenig, macht “Warring Factions” aber letztlich nur wertvoller.

Geradezu euphorisch steigern sich die Songs bis zu ihrem Ende, allen voran das fast viertelstündige “An Exercise In Depth Of Field” mit super Spannungsbögen und einer Country-Barmusik-Einlage (!), die alles andere als wirr erscheint und tatsächlich schlüssig eingefügt wurde. Für die Norweger ist es ein leichtes, sich dort wieder herauszuwinden und zurück zum Ausgangspunkt des Stückes zu finden. Im Abschlußsstrack verwenden sie eine ähnliche Methode, lassen sich Zeit, hymnische Qualitäten zu entwickeln und sich dabei einen nicht abgehobenen Hauch von Mystik zu bewahren.

Davor steht jedoch ein Songdoppel, das vom Doomigen bis zum flirrenden Orgelgalopp alles Aufregende abdeckt, ohne selbst aufzuregen. Statt postmodernem Patchwork ist das ANSUR-Potpourri variantenreich wie schlüssig sowie schräg, ohne häßlich zu sein - Im Gegenteil: Ein Rätsel, auf das man sich gerne einläßt und der beste Candlelight-Release seit langer Zeit.

FAZIT: ANSUR bringen eines der originellsten Alben 2008 heraus und verquicken auf wunderbare Weise verschiedene Einflüsse, destilliert durch typisch norwegisches Verständnis von progressiver Musik. Das Ergebnis ist etwas für Freunde von Enslaved oder Ulver, ohne eine Sekunde nach diesen Bands zu klingen… schlicht großartige Musik voller Tiefe.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.05.2008

Tracklist

  1. The Tunguska incident
  2. Sierra Day
  3. Phobos Anomaly
  4. An Exercise in Depth Of Field
  5. At his Wit‘s End
  6. Clouscaper
  7. Prime Warning Eschatologist

Besetzung

  • Bass

    Espen Aulie

  • Gesang

    Espen Aulie

  • Gitarre

    Torstein J. Nipe, Audun Forde

  • Keys

    Audun Forde

  • Schlagzeug

    Glenn Ferguson

  • Sonstiges

    Glenn Ferguson (Percussions)

Sonstiges

  • Label

    Candlelight/Soulfood

  • Spieldauer

    71:12

  • Erscheinungsdatum

    23.05.2008

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