Erstmals seit 25 Jahren veröffentlichen ASIA ein neues Studioalbum in Originalbesetzung. Mit dem Opener “Never Again” legen sie auch gleich los, als sei die Zeit stehen geblieben: Perfekt inszenierter Achtziger-AOR, der durchaus auch mal fetzig klingen darf, dabei jedoch immer dem Pop nahe steht. Leider lässt sich der gute erste Eindruck nicht über die gesamte Länge aufrecht erhalten. Zwar folgen im weiteren Verlauf noch einige weitere mitreißende Tracks wie “Alibis” oder “Shadow Of A Doubt”, und die beiden Longtracks weisen deutliche Siebziger-Prog-Rock-Einflüsse auf (für jüngere Musikfans klingt das in etwa wie AYREON ohne Metalriffs). Aber immer wieder schleichen sich (im wahrsten Sinne des Wortes...) echte Langweiler ein, behäbig inszeniert, mit altbekannten oder furchtbar schmalzigen Melodien versehen. “Nothing’s Forever” schockt beispielsweise erst mit einem Fanfaren-Intro, das alles andere als bombastisch klingt, um dann in einem langgezogenen Refrain zu versauern.
Gerade auch die langsameren Nummern, die eigentlich die Stärke einer Band wie ASIA und eines Sängers wie John Wetton sein müssten, klingen meist zu banal und seicht, es fehlt deutlich an Tiefgang. Auch die Klasse der beteiligten Musiker kommt viel zu selten zum Vorschein. Am ehesten weiß dann noch ein ungewöhnlicher, wenig eingängiger Track wie das rhythmisch leicht vertrackte “Wish I’d Known All Along” zu überzeugen. Von ASIA erwartet man aber eigentlich die großen Hooklines, und die gibt es leider zu selten zu hören.
Die Produktion klingt ein wenig kraftlos, worunter vor allem die Drums zu leiden haben. Auch wurden die Keyboards etwas zu sehr in den Vordergrund gerückt. Das mag zwar zu dieser Musikrichtung passen, aber oft kann man die Gitarren im Tasten-Overkill gar nicht als solche ausmachen. Positiv muss man dagegen den Gesang erwähnen. John Wetton überzeugt mit warmer, gefühlvoller Stimme und schön arrangierten, mehrstimmigen Refrains.
FAZIT: Leider ist es nicht möglich, ein abschließendes Fazit zu ziehen oder eine Bewertung zu vergeben. Frontiers Records haben sich dafür entschieden, ihre Promo-CDs durch sogenannte ”Voice-over” brutal zu zerstückeln. Prinzipiell muss diese Methode kein Hindernis sein, andere Plattenfirmen setzen einen solchen ”Kopierschutz” deutlich eleganter um. Der Verantwortliche bei Frontiers Records muss sich jedoch entweder keinerlei Gedanken gemacht haben oder gezielt Stellen ausgesucht haben, um den Fluss der Stücke empfindlich zu unterbrechen. Wichtige Gesangs- und Musikpassagen werden komplett ausgeblendet. So lässt sich die Wirkung des Albums während eines ungestörten Hördurchgangs leider nicht abschätzen.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.04.2008
John Wetton
John Wetton
Steve Howe
Geoffrey Downes
Carl Palmer
Frontiers Records
64:57
11.04.2008