Audrey Horne ist die Tochter des zwielichtigen Hotelbesitzers Benjamin Horne im kleinen Städtchen Twin Peaks, das als Fernsehserie in den früheren Neunzigern das TV ein klein wenig revolutionierte und Regisseur David Lynchs Status als filmischen Meister des Verschrobenen, Metaphorischen und zutiefst Versponnenen für alle Ewigkeit zementierte. Die Musik dieser norwegischen Musikanten möchte nicht so recht zum undurchsichtigen, komplexen Charakter ihrer Namensgeberin passen, deren musikalisches Leitmotiv stets doppeldeutiger, introvertierter, beinahe lasziver Cool Jazz war.
Das nordisch-musikalische Pendant zu David Lynchs stilvoller Brünetten setzt sich aus GORGOROTH und ENSLAVED Mitgliedern zusammen, die augenscheinlich Bock hatten auf Musik abseits von Black und Viking Metal. AUDREY HORNE spielen modernen Alternative Rock, der vor allem in Norwegen hohe Chart Platzierungen für sich verbuchen konnte. Wenn dieses Quartett in englischer Presse angeblich in die Liste der 100 interessantesten Bands des Jahres gewählt wurde, dann schnuppert das schon ein wenig nach Hype, denn außergewöhnlich ist die Musik AUDREY HORNES wahrlich nicht.
Letztlich wird hier melodisch moderner Rock gespielt, der massentauglich sauber produziert wurde, ein paar hübsche, epische Gitarrenharmonien durch die Boxen pustet, sonst auf knackiges, nicht immer abwechslungsreiches Riffing setzt und von Toschies Klargesang kompetent durchzogen wird. Leider wurde beim Gesang zu viel Wert auf Effekte und Verfremdungen gesetzt, zu oft wurden im Studio mehrere Gesangsspuren übereinandergelegt, was zum einen austauschbar und steril klingt und zum anderen den Eindruck erweckt, der Sänger verfüge nicht über genügend stimmliche Qualitäten, um mit unbearbeitetem Gesang zu überzeugen. Dieser Verdacht zerstreut sich jedoch in den viel zu rar gesäten Momenten, in denen Toschie auf jegliche Technikunterstützung verzichtet und endlich den Charakter seiner Stimme voll entfalten kann.
Gut im Ohr bleibt das von monotonem Sprechgesang eingeleitete „Last Call“, das nach gewöhnungsbedürftigem Einstieg die Gitarrenwände hochfährt, die von warmen Soli durchsetzt werden. Spannend kommt der hypnotische Rhythmus und Gesang bei „Threshold“; über einen echten Spannungsaufbau verfügt „Bright Lights“, das mit sanft pulsendem Rhythmus und leisen Gitarren einsteigt, von verträumt entrückten Gesang und zurückhaltenden Keys zusammengehalten wird und schließlich zu einem ratternden Modern Metal Monster mutiert, bei dem sich Toschie die Stimmbänder wund brüllen darf. Ein wenig progressiv kommt „So Long, Euphoria“ daher, das mit orientalischer Klangfärbung ein wenig so klingt, als würden TOOL und DREAM THEATER plötzlich Alternative Rock spielen.
FAZIT: Licht und Schatten huschen über des Narren Kappe: „Le Fol“ zeigt einerseits, wie alternativer Rock mit moderner Metal Schlagseite abwechslungsreich klingen kann - andererseits verkitten die vier Norweger ihr zweites Album mit zu viel belanglosem, von vielen tausend Bands zuvor gespieltem Füllmaterial, das einfach nur ermüdend wirkt.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.03.2008
Toschie
Ice Dale, Thomas
Kjetil
Indie Recordings
52:18
14.03.2008