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Simon Says: Tardigrade

Stil: Retroprog

Cover: Simon Says: Tardigrade

Warme 70s-Rückbesinnung, wie sie nur aus Schweden kommen kann. Alle sechs, sieben Jahre hauen SIMON SAYS aus Stockholm ihre Wuchtbrummen raus, die nichts offen lassen, was sie versprechen: Wuchtige Tracks von bis zu einer knappen halben Stunde, und dann dieses wunderbare Brummen der analogen Tastengeräte… vom Spielwitz ganz zu schweigen.

Wer nun Flower Kings denkt, dem sei gesagt, daß er sich nicht auf jazzigen Firlefanz einlassen muß, der ihm vielleicht den Spaß vergällt. SIMON SAYS lassen sich mit einer ausladenden Version von Black Bonzo vergleichen. Das bedeutet: Rockerdung zu jedem Moment, und das schließt sowohl Langes, wie die Viertelstunde als Opener, wie auch kompakt Eingängiges, wie den Titeltrack mit ein. Wunderbar ist auch, wie “The Chosen One” von balladesker Großmut zu einem flirrendem Instrumentaldisplay wird. Sänger Daniel Feldt gibt indes trotz zwangsläufig längerer Phasen des Klappehaltens nie das Zepter aus der Hand, mit dem er den Hörer dirigiert. So wie seine Mitstreiter sich nicht versteigen und schlüssig die Burg um ihn aufbauen, so eindringlich variabel wie nicht abgehoben singt Feldt, wobei seine Vocalhooks noch zur Einfühlbarkeit in das Material der Band beitragen. Ein Stimmungskaleidoskop ist “As The River Runs”, das von ruhig Kontemplativem bis hin zu triumphalen Synthierock alle Facetten durchblättert.

Nach der reinen Ballade “Circle‘s End” und frickeliger Kurzweil wie dem “Strawberry Jam” ist es am Endsong, in 27 Minuten alles zu richten und nachhaltig an die Bandbreite von SIMON SAYS zu erinnern. Nicht abgehalftert und mitreißend bei volltönendem, natürlichem Sound und Beibehaltung des Gefühls als primäre Forderung an Musik - nicht Angeberei um ihrer Selbst willen.

FAZIT :“Tardigrade” ist eines der definitiven Jahreshighlights im Bereich der von analogen Sounds geschwängerten Mutter aller nach Weiterentwicklungen strebenden Rocksounds. Auch wenn die Dame schon etwas betagt ist: SIMON SAYS haben zum Facelifting angesetzt, ohne Madame künstlichem Soundbotox anheimfallen zu lassen. Noch vor den momentan schwächelnden üblichen Genreverdächtigen!

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.04.2008

Tracklist

  1. Suddenly The Rain
  2. Tardigrade
  3. The Chosen One
  4. Moon Mountain
  5. As The River Runs
  6. Your Future
  7. Strawberry Jam
  8. Circle‘s End
  9. Brother Where You Bound?
  10. Beautiful New Day

Besetzung

  • Bass

    Stefan Renstrom

  • Gesang

    Daniel Fäldt, Mattias Jarihed

  • Gitarre

    Jonas Hallberg

  • Keys

    Stefan Renstrom, Magnus Paulsson

  • Schlagzeug

    Mattias Jarihed

Sonstiges

  • Label

    ProgRock/SPV

  • Spieldauer

    74:09

  • Erscheinungsdatum

    16.05.2008

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