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Reviews

Sinister: The Silent Howling

Stil: Death Metal

Cover: Sinister: The Silent Howling

Für sentimentale ältere Menschen wie mich sind Platten wie die neue SINISTER eins von diesen „Schön, dass es die noch gibt“ Erlebnissen. Als man anfing, dreckige Musik zu hören, waren sie schon da und werden wahrscheinlich auch noch da sein, wenn der letzte geschminkte Metalcore-Bubi endlich Haare am Sack kriegt. Die Holländer gehören zu einer Generation von Bands, die noch um eine musikalische Persönlichkeit bemüht war, so dass man ihren Stil trotz aller Besetzungswechsel immer gut heraushören konnte. Auch auf der neuen Platte fühlt man sich wieder sofort zu Hause, obwohl es dieses Mal einige Neuerungen zu verzeichnen gibt. Doch zunächst zum Gewohnten. Wie immer haben die Holländer ein paar durchweg brutale, anspruchsvolle Death Metal Songs amerikanischer Prägung geschrieben und sehr kompetent eingespielt. Für das sicher nicht übertrieben große Budget der Platte ist auch der Sound erfreulich ausgefallen. Fett, direkt, nicht kaputt produziert, trotzdem so transparent, dass man die unzähligen technischen Schlenker mitbekommt. Neu ist, dass SINISTER sich plötzlich aus der Mitteklasse der technischen Hackerbands verabschieden – und zwar nach oben. Dazu hat man sich einiges einfallen lassen. Bei genauem Blick auf die Texte erfreut, dass sich in den Okkult-, Zombie- und Goretexten zuweilen ein gewisser gesellschaftskritischer Hintersinn verbirgt, wie ihn auch Chris Barnes von SIX FEET UNDER sehr schön hinbekommt. Wer die Message in dem Horror nicht findet, bekommt es noch mal deutlicher im Spoken Word Sample ganz am Schluss. Musikalisch wichtiger ist freilich, dass „The Silent Howling“ aus nur sieben bis zu zehn Minuten langen Songs besteht, die jedoch das Kunststück fertig bringen, den Hörer nicht zu überfordern, obwohl sie bis zum Eichstrich mit Information vollgeknallt sind. Hier kommen die Ideen als solche ins Spiel. Eine derartige Ansammlung geiler Riffs, punktgenauer Breaks und trotz der Komplexität eingängiger Strukturen hört man selten – und von SINISTER bisher noch nie. Wenn man nach zehn Minuten Geballer und Gewichse schon die Riffs im Kopf hat, nenne ich das effektives Songwriting. Man könnte das Ganze aber auch einfach verdammt fette Scheiße nennen.

FAZIT: Ein spätes, aber ganz schön mächtiges Statement einer Band, der man eine Platte mit Klassikerpotential wohl kaum zugetraut hätte. Schade, dass ihnen dieses Album erst jetzt gelingt. Zu Beginn ihrer Karriere hätte es sie mit Sicherheit an einigen anderen vorbei geschoben. Wer nur eine SINISTER haben will, sollte ernsthaft überlegen, nicht zu den frühen Semi-Klassikern zu greifen, sondern diese hier nehmen.

Punkte: 13/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.11.2008

Tracklist

  1. Republic Of The Grave
  2. Summit Of Sacrifice
  3. Fortified Bravery
  4. The Silent Howling
  5. The Kill To Come
  6. Palace Of The Fates
  7. If It Bleeds

Besetzung

  • Bass

    Bas van den Boogaard

  • Gesang

    Adrie Kloosterwaard

  • Gitarre

    Alex Paul

  • Schlagzeug

    Edwin van de Eeden

Sonstiges

  • Label

    Massacre

  • Spieldauer

    47:43

  • Erscheinungsdatum

    22.08.2008

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