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Thyrfing: Hels Vite

Stil: Viking Metal

Cover: Thyrfing: Hels Vite

Die Wikinger kämpfen wieder, und zwar dicht an dicht auf dem engen Marktplatz und um die Gunst des Met saufenden, unrasierten Langhaarigen, dessen nordische Wurzeln dabei unerheblich sind. Solange die Kohle stimmt, winken nach skandinavischem Verständnis (Thor-Comics und die Hausfrauenversion der Edda?) „heidnische“ Subkulturen womöglich selbst Nord-Südafrikaner als authentische „Odinisten“ durch... THYRFING könnte das nicht gleichgültiger sein.

Die Schweden konzentrieren sich Interviews zu Folge zuerst auf die Musik und sind über die Jahre hinweg immer besser geworden. Cheesy Rumgepolter/Polka wird man vergeblich suchen; von der Atmosphäre her reichen THYRFING schon seit dem Vorgänger „Farsotstider“ an die Nachbarn Moonsorrow heran; nun ziehen sie an ihnen vorbei, indem sie kompakte und dennoch weit durch vereiste Steppen streunende Songbiester erschaffen haben. Jedes Stück ist ein Kleinod und kann bis zur Musik stiftenden Idee zurückverfolgt werden – Unterscheidbarkeit statt Tapete macht zukünftige Klassiker aus... Ob die dramatische „letzte Litanei“ zu Beginn oder die fies schleppenden beiden nachfolgenden Stücke, die man sich kürzlich von den enttäuschenden Ajattara gewünscht hätte: THYRFING lassen selbst Unterarmhaare ehrfürchtig und gerührt hinterm Schneewall Stellung beziehen und auf den Feind warten. Die Keyboards dicken mit effektivem Bombast an, was alleine karg, kantig und – ja, wieder dieses Wort – echt klingt. Dazu Jens Rydens verzweifelte Stimme, die rechtzeitig die Kurve vom in der Flaute treibenden Naglfar bekommen hat: hier bricht die Hölle herein, die die vielgelobte Konkurrenz zum Großteil schuldig bleibt. Der Himmel dagegen sind die klaren Hintergrundgesänge im schreitenden Titelsong. Die Mischung zwischen wunderschön und abgründig stimmt und ist im Verbund mit den Akustikparts – hier nicht auf Ansage wie bei weniger findigen Komponisten anderer Bands – Metal in Reinkultur, was man bekanntlich nicht immer von Bands dieser jungen Stilistik behaupten kann. THYRFING merkt man schlicht an, dass sie nicht von gestern sind und lange in dieser Szene herumstreunen.

Zur Glückseligkeit fehlen allein etwas mehr Ehrgeiz an den Gitarren (gut, die Barbaren dürfen nicht filigran sein) sowie rhythmische Varianz (auch gut, das Hypnotisierende ginge ansonsten verloren). Letzterem kommt allenfalls der nicht muttersprachliche Track „Become The Eye“ nach. Toll auch hier die Blechbläser aus der Konserve... heavy as fuck, wie das gesamte Album! Glanzlicht zum Schluss: zehn Minuten manisch träger Untergang, der den missratenen Zöglingen diverser Pseudo-Doom-Hypes ganz langsam die Fontanelle eindrückt.

FAZIT: THYRFING bringen mit „Hels Vite“ das Highlight der laufenden Heidensaison heraus. Freunde des gemeinen Midtempo-Blackmetal dürfen eher ein Ohr riskieren als tanzfreudige Gören im Kunstwolfspelz. Diese Band reißt ungläubige Schäfchen...

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.10.2008

Tracklist

  1. En Sista Litania
  2. Från Stormens Öga
  3. Isolation
  4. Hels Vite
  5. Griftefrid
  6. Becoming The Eye
  7. Tre Vintrar – Två Solar

Besetzung

  • Bass

    Kimmy Sjölund

  • Gesang

    Jens Rydén

  • Gitarre

    Henrik Svegsjo, Patrik Lindgren

  • Keys

    Peter Löf

  • Schlagzeug

    Joakim Kristensson

Sonstiges

  • Label

    Regain/Soulfood

  • Spieldauer

    52:02

  • Erscheinungsdatum

    24.10.2008

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