Dass Liebe blind macht, haben wir alle schon einmal mehr oder weniger schmerzhaft erfahren müssen. Auch ANA POPOVIC ist da sicherlich nicht gefeit. Ob aus dieser Stimmungslage heraus ihr neues Album "Blind For Love" entstanden ist, wie der Titel zumindest suggeriert, ist dem Schreiber dieser Zeilen natürlich unbekannt. Allerdings lässt die leicht orientierungslose musikalische Irrfahrt auf einen "Blindflug" schließen. ANA POPOVIC deckt nämlich ihr gesamtes musikalisches Spektrum ab: Natürlich Blues, etwas Soul, Pop und Funk, ja sogar Gospel und Bar-Jazz fehlen nicht. Nur: Wo ist der berühmte rote Faden, der sich -zumindest mir- nicht erschließen will. Fraglos ist "Blind For Love" fein produziert und nicht ohne Spaßfaktor... aber mir persönlich viel zu glatt! Nee, Ana, das war diesmal nix!
Uneingeschränkt gut gefallen die beiden Blues-Rocker "Wrong woman" und "Get back home to you" und vor allem der sparsam instrumentierte Delta-Blues "Steal me away". Auch der Gospel "Putting out the APB" ist mitreißend inszeniert und hätte ARETHA FRANKLIN im legendären "Blues Brothers Movie" bestens zu Gesicht gestanden. Das funkige "Need your love" mit seinem feurigen Groove dürfte ein Live-Reißer werden...
Völlig daneben sind für meinen Geschmack dagegen der billige Pop-Song "Blind for love" und der "Schmuse-Soul" von "Part of me", die Lullaby für (ihren Sohnemann?) Luuk. Auch die lässige Bar-Jazz-Nummer "The only reason" reißt keinen vom berühmten (Bar)Hocker. Der "Blues for M" stimmt einen dann zum Abschluss versöhnlich, aber -sind wir ehrlich- Songs dieses Kalibers gibt's wie Sand am Meer.
FAZIT: Natürlich können solche Meisterwerke wie GWYN ASHTONs "Two Man Blues Army" nicht im Wochen-Rhythmus vom Himmel fallen. ANA POPOVICs "Blind For Love" ist ein ordentliches Album geworden. Ihre gesanglichen Qualitäten stehen ebenso wenig in Frage wie ihre Fähigkeiten als Gitarristin. Ob es allerdings gerade DIESES Album ANA POPOVICs sein muss, das in die persönliche Blues-Sammlung gehört, möchte ich bezweifeln.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.07.2009
Ronald Jonker
Ana Popovic
Ana Popovic
Mike Finnigan
Andrew Thomas (on #2,4,6,7,9,10,11,12), Tony Braunagel (on #1,3,5,8)
Darrell Leonard (Trompete) Joe Sublett (Saxophon), Lenny Castro (Percussion)
Eclecto Groove Records
45:01
17.07.2009