Es gibt Veröffentlichungen, die reviewt man lieber spät als nie und genau in diese Kategorie gehört die Split-CD der Münsteraner ANDROPHAGOUS und TOXIC REVOLUTION. Ein Jahr nach Release-Date trudelt sie im Musikreviews-HQ ein und hebt sich von den anderen FDA Rekotz Sachen qualitativ doch deutlich ab. Bei Split-Veröffentlichungen sucht man natürlich sofort nach der Verbindung zwischen beiden Kapellen und wird hier mit Sänger/Bassist bzw. Sänger/Gitarrist Christian schnell fündig, der auch bei den deutschen Grindern KEITZER als Sänger tätig ist.
Gesetzt den Fall, dass KEITZER seine Hauptband ist, hat er zwei weitere Bands, die die Bezeichnung Nebenprojekt definitiv nicht verdient haben. Die 13 Songs von ANDROPHAGOUS sind musikalisch nicht sehr weit von KEITZER entfernt, aber im direkten Vergleich eher an Old-School-Grindcore als an Death orientiert. Immer wieder zu Recht genannte Landmarken sind TERRORIZER und REPULSION, also Bands, die schnell, brutal und kompromisslos waren und dem Blastbeat ausführlich huldigten. ANDROPHAGOUS setzen gerne noch einen drauf, treten das Gaspedal noch ein kleines Stückchen weiter als bis zum Bodenblech durch und liefern so eine beachtliche Grindscheibe ab, die so manchen Konkurrenten in Puncto Spielfreude und Können blässlich aussehen lässt.
Die zweite Zweitband oder erste Drittband TOXIC REVOLUTION wäre ein schlechter Witz, würde sie in dieselbe Kerbe hauen wie ANDROPHAGOUS oder gar die Erstband, deshalb weichen TOXIC REVOLUTION leicht vom vorgegebenen Kurs ab und hauen dem Hörer 18 kurze Thrashcore- und Powerviolence-Attacken auf spielerisch hohem Niveau um die Ohren, die einfach Spaß machen und zum Wohnzimmer-Mosh mit erhobenen Zeigefinger einladen. Das hier auch eine ganze Portion Humor mit im Spiel ist, lässt ein Blick in die Trackliste zumindest erahnen, wobei beide Bands leider darauf verzichten ihre Texte mitzuliefern, aber vielleicht haben sie ja auch gar keine?
FAZIT: Mal wieder eine Undergroundveröffentlichung, die wirklich Spaß macht. ANDROPHAGOUS und TOXIC REVOLUTION passen aufgrund der personellen Überschneidungen sehr gut zusammen, unterscheiden sich aber musikalisch glücklicherweise weit genug, um nicht verwechselt zu werden. Mir persönlich gefällt der Grindcore alter Schule, den die Kannibalen zelebrieren, etwas besser als der rasende thrashige Powerviolence von TOXIC REVOLUTION, aber das sind graduelle Unterschiede im Bereich der persönlichen Vorliebe. Für Menschen, die es musikalisch gerne mal heftig mögen, sei hier eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.04.2009
Christian (Androphagous). Chris (Toxic Revolution)
Christian
Nico (Androphagous), Christian (Toxic Revolution)
Tim (Androphagous), Jan (Toxic Revolution)
FDA Rekotz
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10.03.2008