Anno 2009 scheinen ARCKANUM populärer als je zuvor. Wen wundert es – hat Shamaatae mit „Antikosmos“ und „ÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞÞ“ den Sound der Band nach ganzen zehn Jahren bis zum letzten Release „Kampen“ hin neu definiert und ansprechend in die Neuzeit transferiert. Grund genug die ersten drei Alben nochmal soundtechnisch 'aufzumotzen' und in drei schicke Digi-Books zu stecken.
Mit „Fran Marder“ findet das Debüt von ARCKANUM und die wohl Shamaataes unverfälschteste Vision von Black Metal . Der Sound war für eine Abyss Produktion sehr roh und ist daher auch recht schwer zugänglich – auch heute noch bedarf es einer gewissen Anlaufzeit ehe man damit warm wird. Dennoch macht genau das diese Scheibe aus – hier wurde ausschließlich mit Scheuklappen gearbeitet. Das Ergebnis spricht für sich und wird für immer ein Klassiker bleiben und ist wohl das ursprünglichste Release der Band. Am besten man nimmt sich das Teil mit in den Wald um in Abgeschiedenheit mit ARCKANUM den ersten Teil seiner Pan Trilogie zu frönen.
„Kostoger „ zeigt ARCKANUM dann deutlich gereift: der Sound ist etwas besser, die Kompositionen wirken eingängiger aber die Musik hat nichts von ihrer Macht und Faszination verloren. Ein Schritt nach vorn, den jeder Anhänger der ersten Platte sicher nicht enttäusche und den Hörer auch heute nach wie vor in den Bann zu ziehen vermag. Hier gilt ebenfalls: mit dem Player in den Wald.
„Kampen“ war dann ein nächster Versuch, alle Extreme auszuloten und dabei mit Kompromisslosigkeit und bisher nicht bekannter Komplexität der Songs zu punkten. So liegt das Album mit seinen 70 Minuten Spielzeit, seinem derben Sound und seinen nicht nachvollziehbaren Songstrukturen wie ein fauler Apfel im Magen und demonstriert sehr vordergründig die Shamaataes Abneigung von Konventionen. „Kampen“ ist die rohe Faust der Misantrophie, die es sicher dem ein oder anderen leicht machte, gute zehn Jahre auf das nächste Album zu warten in denen man sich intensiv mit diesem Kunstwerk beschäftigen konnte. Ein krönender Abschluss für eine musikalische Epoche von ARCKANUM, der nachwievor nur schwer fassbar ist und auch heute noch so befremdlich klingt wie zur Zeit seiner ersten Veröffentlichung.
FAZIT: Die Re-Releases können nur Bindeglied zwischen der ersten ARCKANUM-Ära und dem was die Band jetzt macht sein. Durch den missglückten Versuch den Sound ernsthaft aufzupolierten, und damit die Alben leichter zugänglich zu machen tut man er Band aber keinen echten Gefallen. Die musikalische Wendung vom Werk Shamaatae kann man nicht überspielen und so ist auch weiterhin nicht davon auszugehen, dass Fans der zweiten Ära mit den alten Alben der Band etwas anfangen können. Das Geld für's neu abmischen jedenfalls hätte man sich auch sparen können, denn eine echte Aufwertung erfährt die Musik dadurch nicht.
Warum man Unikate dieser Größenordnung unbedingt einem Remaster unterziehen muss, ist bis auf oben benannten Aspekt nur schwer nachzuvollziehen. Die Platten sind in ihrem Ursprung roh und zeitlos aber eben gerade dadurch so reizvoll und mystisch. Das Remaster versucht die Scheiben zu etwas ganz anderem zu machen - zu etwas das sie niemals waren. Somit optisch vielleicht eine gute Geschichte aber inhaltlich irgendwie am Ziel vorbei.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 13.12.2009
Shamaatae - Alle Instrumente, Gesang
Debemur Morti
2:59:09
09.10.2009