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Devin Townsend Project: Ki

Stil: Progressive / Ambient

Cover: Devin Townsend Project: Ki

In Japan steht „Ki“ für „Lebensenergie“, etwas, das DEVIN TOWNSEND schon immer etwas zu viel in sich zu haben schien. Diesen Eindruck erweckte der Musiker und Produzent jedenfalls stets bei seinen Fans und Gegnern, denn es verging innerhalb der letzten Dekade kaum ein Jahr, in welchem Townsend nicht mit diesem oder jenem Projekt ein Album veröffentlicht oder andere Bands produziert hätte. Nach einem zwischenzeitlich angedrohten Ausstieg aus der Musikszene ist der Kanadier unter dem Namen „Devin Townsend Project“ zurück. „Ki“ ist hierbei das erste Werk von vieren, wobei dieser erste Teil von Townsend als „nüchterne Einleitung eines (zugegeben) epischen musikalischen Unterfangens“ bezeichnet wird.

Und „nüchtern“ klingt „Ki“ tatsächlich. Wer die chaotisch-brutalen STRAPPING YOUNG LAD bevorzugte, wird in die Röhre gucken, wer die episch-warmen Walls-of-Sound von Alben wie „Terria“ zu schätzen wusste, wird hingegen nicht komplett enttäuscht. Und frohlocken dürfen alle, die nicht auf einen ganz bestimmten Stil dieses überkreativen Musikers fixiert sind, sondern sich erfreuen können, wenn Townsend seinen musikalischen Rahmen weiter ausdehnt, ihm neue Elemente hinzufügt. Ein Großteil des Materials bleibt ruhig und unaufdringlich. Gitarren schlagen relaxte Ambient-Klänge an, kühle Basslinien scheinen wie nächtlicher Rhythmus urbanen Nachtlebens durch erleuchtete Häuserschluchten zu pulsieren. Der Gesang deckt von flüsterndem Sprechgesang über klare, hochmelodische Gesangslinien bis zu wenigen, halb unterdrückten Growls alles ab. Gerade, wenn Aggression und Wut sich ihren Weg zu bahnen scheinen, nimmt Townsend sich wieder zurück, scheint seine inneren Dämonen zu bezwingen. Dieses Nichtauflösen im Gewaltigen birgt einen starken Reiz, zerrt aber auch an den Nerven – wer den Chaos-Devin wiederhaben möchte, muss sich gedulden, bis „Deconstruction“, der dritte Teil des Gesamtkonzeptes, erscheint.

Mit einigem Geschick deckt „Ki“ ein breites musikalisches Spektrum ab – und zwar ohne, dass es beim oberflächlichen Hören zunächst auffällt. Doch wer aufmerksam lauscht, findet hier neben zischelndem Jazz-Besen minimalistisch-gefühlvoll gezupfte Gitarren, ohrenschmeichelnde Harmonien, experimentelle Gitarrensoli und neben großstädtischen Coolness-Nummern mit puckernden Rhythmen begnadete Singer-Songwriter-Momente und 50er-Jahre-Reminiszenzen. Großartig ist der Titeltrack des Albums, der im zweiten Teil mit einer wunderbaren Melodie die Sonne aufgehen lässt, während Schlagzeug, Chöre und wahrhaft opernhafter Gesang sich zu einem tosenden Fortissimo steigern – und genau hier haben wir wieder diese harmonische Wall-of-Sound, die viele Townsend-Fans so lieben.

FAZIT: „Ki“ ist ein Album, das den neuen, drogenfreien und revitalisierten Devin Townsend in konstruktiver Selbstbeherrschung mutig aufspielen lässt. Metal ist das nur unterschwellig – und auch sonstigen Kategorisierungen entzieht sich dieser erste von vier Teilen konsequent. Hin und wieder wünscht man sich mehr Wucht und Aggression hinter den Kompositionen, doch muss „Ki“ sicher im Kontext der folgenden drei Alben gesehen werden, die von eingängigem Heavy-Pop-Rock über Ambient bis zur SYL-Brutalität einiges versprechen.

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.05.2009

Tracklist

  1. A Monday
  2. Coast
  3. Disruptr
  4. Gato
  5. Terminal
  6. Heaven Send
  7. Ain't Never Gonna Win...
  8. Winter
  9. Trainfire
  10. Lady Helen
  11. Ki
  12. Quiet Riot
  13. Demon League

Besetzung

  • Bass

    Sean Savoie

  • Gesang

    Devin Townsend

  • Gitarre

    Devin Townsend

  • Keys

    Dave Young

  • Schlagzeug

    Duris Maxwell

Sonstiges

  • Label

    InsideOut

  • Spieldauer

    66:49

  • Erscheinungsdatum

    22.05.2009

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