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Dredg: Catch Without Arms

Stil: Alternative / Indie-Rock

Cover: Dredg: Catch Without Arms

Nach ihrem Erfolgsalbum “El Cielo” im Jahre 2002 katapultierten sich DREDG selbst in den Indierock-Himmel. „Progressive Rock“ hinkte ihnen noch ein wenig hinterher, dank verschiedener Musikstile und Klangexperimente auf Tracks wie „Triangle“, „Eighteen People Living In Harmony“ oder „Whoa is Me“. „El Cielo“ hatte zahlreiche Ecken und Kanten, an denen sich anspruchsvolle Hörer die Hörner abstoßen konnten. Drei Jahre später, 2005, machte sich die Welt auf neue Songs bereit, viele hofften auf eine Rückkehr zum härteren Stil des Debutalbums „Leitmotif“.

„Catch Without Arms“ wurde stattdessen zum bisher leichtesten Album von DREDG. Das Cover mit seinem supersimplen, modernen Layout – War das nun das künstlerische Ende der Fahnenstange in Form von glattgestriegeltem Designerpop? Nicht wirklich.
„Ode To The Sun“ ließ Fans vorerst aufatmen. Gewohnt knackige, variable Gitarren, Hayes in Topform und sphärische Melodien. Typisch DREDG eben. Das kreative Feuerwerk muss aber ausbleiben. Das Album wirkt an vereinzelten Stellen eingängiger als man der Band ursprünglich zugetraut hätte. „Bug Eyes“, „Not That Simple“ und „Planting Seeds“ rauschen im gewohnten Soundgewand ungewohnt wirkungslos vorüber. Schlecht nicht, nur seltsam flach.
Entschädigend wirken stattdessen Großtaten wie oben genannter Opener „Ode To The Sun“, das melancholische Poprockballädchen „Catch Without Arms“, das esoterisch wabernde, mit Breakbeats unterlegte „Sang Real“ und das überragende „Jamais Vu“.

Mit Hörnern abstoßen ist auf „Catch Without Arms“ nichts, aber auch auf dieser CD kann der Hörer mit DREDG tief, ganz tief abtauchen – oder, falls gewünscht, unsrer kleinen Welt entschweben. Dafür haben die Amerikaner auch ein passendes Konzept mitgeliefert. Das Album ist unterteilt in „Perspective I“ und „Perspective II“. Zwei Seiten des Lebens, positiv und negativ, schwebend und grabend, Engel und Teufel. Ein Beweis, dass es ohne Gegensätze nicht funktioniert. „Zebraskin“ und „Hungover on a Tuesday“ ist ein solches konträres Paar. Singt Hayes im ersten Song noch von Alkoholproblemen, die ihn nicht mehr loslassen, zeigt er im zweiten den Willen, sich von dieser Abhängigkeit loszureißen. Textlich gibt es bei DREDG wieder viel zu entdecken, obwohl die Themen diesmal in profanere Bereiche projiziert wurden.

FAZIT: „Catch Without Arms“ ist trotz seiner gefälligeren Form immer noch aufregend und emotional genug, um selbst den müdesten Schnarcher von seinem Sessel zu reißen und mal kräftig durchzurütteln. DREDG sind DREDG, sie haben ihren Stil gefunden. Das ist vielleicht auch das Problem der CD – die Band wiegelt sich zu sehr in ihrem eigenen Kosmos, anstatt Grenzen auszuloten. Aber ist das wirklich nötig bzw. möglich nach einem Album wie „El Cielo“? Ich denke nicht und deshalb kann ich für „Catch Without Arms“ eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Ob es „The Pariah, the Parrot and the Delusion“ schließlich zu weit mit der Eingängigkeit trieb, ist die andere Frage.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.12.2009

Tracklist

  1. Perspective I:
  2. Ode to the Sun
  3. Bug Eyes
  4. Catch Without Arms
  5. Not That Simple
  6. Zebraskin
  7. The Tanbark is Hot Lava
  8. Sang Real
  9. Perspective II:
  10. Planting Seeds
  11. Spitshine
  12. Jamais Vu
  13. Hungover on a Tuesday
  14. Matroshka (The Ornament)
  15. Uplifting News (Bonustrack)

Besetzung

  • Bass

    Drew Roulette

  • Gesang

    Gavin Hayes

  • Gitarre

    Gavin Hayes, Mark Engles

  • Keys

    Drew Roulette

  • Schlagzeug

    Dino Campanella

  • Sonstiges

    Dino Campanella (Piano)

Sonstiges

  • Label

    Interscope

  • Spieldauer

    51:43

  • Erscheinungsdatum

    21.06.2005

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