THE DEVIL'S BLOOD, die Erste.
Nach zig großartigen Bands stolpere ich schon schwer angeschlagen in den Green Room des Roadburn Festivals 2009. Auf der Bühne einige schräge Vögel, von oben bis unten mit Blut besudelt, eine charmante diabolische Sängerin, die den Namen auch verdient und deren Stageacting aus gelegentlichen Heben und Senken der Arme besteht. Die seltsame aber eingängige Musik aus 70s Hardrock und Doom schlägt mich sofort in den Bann, ich bin fasziniert und hypnotisiert zugleich. Nähere Beschäftigung mit der seltsamen Truppe scheint angebracht.
THE DEVIL'S BLOOD, die Zweite.
Auf dem Weg zur Arbeit erinnere ich mich an zwei Filme von Kenneth Anger, "Lucifer Rising" und "Scorpio Rising", die vor gefühlt hundert Jahren im öffentlich rechtlichen Fernsehen liefen. Spontan beschließe ich, dass THE DEVIL'S BLOOD den perfekten Soundtrack dazu abgeben würden.
THE DEVIL'S BLOOD, die Dritte.
Auf der Pre-Listening Session zur aktuellen LP in Hamburg komme ich wegen eben jener Arbeit zu spät und mache lieber ein Interview mit den begnadeten GRIFTEGÅRD, bin dann aber von beiden Bands abends beim Gig gleichermaßen fasziniert. Wieder diese Gestalten voll Blut und diese betörende Stimme und Musik. Großartig.
THE DEVIL'S BLOOD, die Vierte.
Nils fordert hier in den News alle auf, die kommende Tour zu besuchen, um herauszufinden, ob hinter der Band Hype oder Qualität steckt.
THE DEVIL'S BLOOD, die Fünfte.
Was die Live-Präsenz angeht, kann dem Mann schon geholfen werden: Qualität, als ganzes Wort groß geschrieben, nicht nur die ersten vier Buchstaben. Gleichzeitig ist jetzt der erste komplette Longplayer erschienen, der auf den nebulösen Namen „The Time Of No Time Evermore“ getauft wurde. Der Opener „The Time Of No Time“ ist die Fortsetzung des letzten Riffs der Vorgänger-EP „Come, Reap“, die jedem ans Herz gelegt sei, nette Idee, um die Kontinuität zu wahren allemal. Dann macht sich aber eine dezente Kurskorrektur in dem Gesamtwerk der bekennenden Satanisten bemerkbar, ein Bekannter nannte es Richtung „seicht“, ich würde es weniger scharf „eingängig“ nennen.
Dieses liegt sicher einerseits an der erstmals sehr klaren, differenzierten Produktion, andererseits an der Leichtigkeit der Melodien, die immer wieder tief im Hard- und Psychedelic-Rock der beginnenden Siebziger und bei Bands wie JEFFERSON AIRPLANE, THIN LIZZY oder ANGEL WITCH verwurzelt ist. Das Konzept aus Melodien, die sofort im Ohr bleiben und dem faszinierendem Gesang, der an Grace Slick oder Jex Thoth erinnert, geht weiterhin auf, sicherlich würde der Musikindustrie-Satan aus jedem Song eine Single auskoppeln, da THE DEVIL'S BLOOD auch einem breitem Publikum gefallen könnten. Die Neuaufnahmen der Demosongs „Christ Or Cocaine“ und „The Anti-Kosmik Magick“ im audiophilen Soundgewand gehen in Ordnung, erhöhen aber natürlich den „Das-habe-ich-doch-schon-alles-irgendwo-mal-gehört-Effekt“ deutlich. Aber solange eine Band bei sich selbst klaut, kann zumindest ich damit leben. Die Magie der Band und ihrer Musik zu beschreiben, ist ein Ding der Unmöglichkeit, daher sei an dieser Stelle ausdrücklich der Besuch eines Gigs der Tour im nächsten Monat empfohlen. Bis dahin wundern wir uns, warum Menschen, die so schöne Musik machen, behaupten, während ihrer Konzerte vom Satan besessen zu sein. Vielleicht ist der doch ein netter Typ?
FAZIT: Auch wenn die obigen Absätze teilweise eher kritisch wirken, sollte doch konstatiert werden, dass THE DEVIL'S BLOOD eine Ausnahmeband sind, eine Band, die unabhängig von Trends ihr Ding durchzieht und nebenbei noch Musik für die Ewigkeit geschaffen hat. Musik, in der man abtauchen kann, die schlechte Laune wegbläst und magisch ist, wobei die Aura der Live-Performance natürlich nur zum Teil eingefangen werden kann. Um die Eingangsfrage von Nils zu beantworten: Hier wird mal Qualität gehypt.
Punkte: 13/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.09.2009
Farida "The Mouth Of Satan" Lemouchi aka FMoS
Selim Lemouchi aka SL
Van Records
54:35
11.09.2009