Seien wir doch alle einfach mal MUGGSmäuschenstill, um „Eins mit dieser Show“ zu sein, die sich aus den tiefen amerikanischen Abgründen Detroits auf die Reise begibt, um die Welt mit der guten alten Musik-Vergangenheit zu erobern.
Wie sah denn damals die Reise so aus – erinnern wir uns: es gab noch die EisCREAM am Stiel, die EAGLES zogen ihre erhabenen Bahnen an unverpesteten Horizonten, zwar war das Flugschiff namens ZEPPELIN längst abgestürzt, wurde allerdings durch LED musikalisch wiederbelebt und hatte sogar noch den echten Blues. Selbst eine Band wie FLEETWOOD MAC erschien noch verdammt (Peter) GREEN hinter den bluesigen Ohren und schickte dem „Eagle (Adler)“ einen „Albatros“ hinterher, bevor sie durch drogengeschwängerte „Rumours“ (Gerüchte) die Spitze des anspruchsvollen Pop-Gipfels erklomm.
Jaaaa – damals! Da hatte man wenigstens noch was in der Hand, bevor man seine schwarze, große Scheibe aus der oftmals angestoßenen, aber liebevoll bewunderten Papphülle zog, die man manchmal sogar aufklappen konnte. Ganz oft ließen sich auch psychedelische kleine Kunstwerke auf der Hülle bewundern und der Klang, der aus den schwarzen Rillen drang, hatte oftmals etwas Warmes, Raumfüllendes, aber auch recht Dumpfes. Ja, ja – das waren noch Zeiten, damals.
Heute – jaaaa, heute ist vieles, aber eben nicht alles anders! Die Musik kommt nicht mehr von schwarzen großen Scheiben, sondern aus erheblich kleineren Silberlingen und es sind nicht die Nadeln, die sich durch die Rillen fräsen, sondern Laser, die digitale Signal wiedergeben, aber am Ende bleibt die Musik. Und die kann auch heute noch so klingen wie damals, als der Stoff, aus dem die musikalischen Träume kamen, noch schwarz war. GOV’T MULE sind schon immer eine Band gewesen, die dieses Gefühl der Vergangenheit in die bluesrockige Gegenwart retteten und THE MUGGS sind eine weitere Band, die sich dieser Traditionswahrung verschrieben haben. Nur leider klingen sie dagegen viel zu oft nach Altbekanntem statt nach Eigenständigem, das die Erinnerungen an vergangene Zeiten hervorruft, ohne diese einfach zu deutlich zu kopieren. Und genau an dem, was GOV’T MULE gelingt, daran scheitern THE MUGGS.
Bereits der „Motown Blues“ ist von seinem Titel her schon plagiativ und die lyrische Geschichte über aufregende Zeiten in Detroit wohl auch nichts sonderlich Neues. Selbst nach den ersten Tönen erkennen zu dürfen, dass die Produktion dieser CD sich deutlich am vertrauten Klangschema guter alter LPs orientiert, ist nicht immer ein Zeichen für leidenschaftliche Vergangenheitsbelebung – genauso wenig wie die „psychedelische“ Gestaltung eines Digi-Packs. Es ist bei „On With The Show“ eher der Versuch einer Wiederholung. Einer Wiederholung eben, die nach all dem klingt, was hier an Musik und Musikern bereits zur Genüge erwähnt wurde.
Wenn „Slow Curve“ dann aber so deutlich nach „Whole Lotta Love“ von LED ZEPPELIN klingt, wird dies des Guten zu viel. Überhaupt scheinen die Herren METHRIC, DENARDO und ROST sich besonders gerne die bluesigen, älteren Nummern von LED ZEPPELIN reinzuziehen und orientieren dann ihre eigene Musik an diesen Hörerfahrungen. Das kommt live sicherlich bemerkenswert an, auf einer Studio-CD funktioniert sowas nur ansatzweise, wofür „On With The Show“ der beste Beweis ist.
FAZIT: THE MUGGS haben unglaublich viel von dem, was LED ZEPPELIN immer dann hatten, wenn sie der Blues überkam. Und wem der 100ste Aufguss eines „Best Of“-Albums seiner alten Helden nicht mehr reicht, der kann beruhigt auf „On With The Show“ zurückgreifen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.02.2009
Tony Denardo
Danny Methric
Danny Methric
Matt Rost
Bobby Emmett III (Piano bei „Curbside Constellation Blues“)
Muggs Music / Just For Kicks
46:10
12.12.2008