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Angelus Apatrida: Clockwork

Stil: Thrash- / Speed Metal

Cover: Angelus Apatrida: Clockwork

Vielleicht gibt es so etwas wie ein AIRBOURNE-Phänomen: Eine relativ unbekannte Gruppe schreibt sich auf die Fahne, den klassischen Sound einer Szenenlegende hochzuhalten, indem sie sich nicht nur auf bloßes Kopieren beschränkt, sondern mit genauso viel Elan und jugendlicher Frische die Musik der Vorbilder in die Gegenwart trägt. So geschehen bei THE PARLOR MOB oder bei oben genannten AIRBOURNE.

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, ohne große Verrenkungen im inzwischen arg inzestuösen Metal einen eigenen Bandsound zu etablieren, sehr gering. Man könnte auch den spanischen Provinzhelden aus Albacete, ANGELUS APATRIDA, reines Abkupfern zuschreiben. Allerdings sollte mit derlei Buhrufen vorsichtig umgegangen werden, denn die Thrasher verstehen ihr Handwerk und weisen überraschend viele Kritikpunkte schnell in ihre Schranken.

ANGELUS APATRIDA sind, ohne um den heißen Brei herumzureden, ein frecher Rip-Off der frühen METALLICA zu „Kill Em All“-Zeiten, hätte Dave Mustaine damals den Gesang übernommen. Spanisches sucht man vergebens, das neue Album „Clockwork“ klingt viel zu amerikanisch, eher nach reinrassigem Bay Area Thrash mit einer gehörigen Portion MEGADETH-Speed.

Ist „Clockwork“ also nun totaler Mist, nur weil die Vorbilder streckenweise ohne Scham die Zunge blecken? Ich denke nicht, denn ANGELUS APATRIDA spielen nicht nur nach, sie überholen die eingerosteten Legenden sogar, was nicht nur am fett aufpolierten Soundgewand liegt, sondern auch an der spieltechnischen Raffinesse, die sich mit den Besten des Thrashmetals messen lassen kann. Prägnant sind vor allem auch die Ohrwürmer, so behält man „Of Men And Tyrants“ oder „My Insanity“ noch tagelang im Kopf – eingängige Refrains kommen auf „Clockwork“ also nicht zu kurz.

An die glorreichen 80er knüpfen dagegen die Speedgranate „Blast Off“ (sic!) und das brutale „Legally Brainwashed“ an, die stellvertretend für das gesamte Album die Räudigkeit urwüchsigen Metals mit leichten Anklängen an modernere Richtungen synthetisieren. Es wird gar PANTERAesque gegroovt, die Geschwindigkeit zugunsten fieser Dampfhammerriffs zurückgenommen und wie in „Devil Take The Hindmost“ und „Into The Storm“ wild am Griffbrett getanzt. Leadsänger Guillermo verleiht der Scheibe eine persönliche Note mit seinem herrlich schnittigen Mustaine-Gekeife; passt wie die Faust aufs... naja, ihr wisst schon.

FAZIT: ANGELUS APATRIDA geben mit ihrem dritten Album „Clockwork“ nicht nur ihr Debut auf Century Media, sondern ein Paradebeispiel für eine gekonnte Huldigung an die Großen des Thrashmetals ab. Die Spanier hinken in nichts nach, stattdessen spielen sie ihre nächste Konkurrenz mit Leichtigkeit in den Schatten. Über alle Wolken sollte „Clockwork“ natürlich nicht gelobt werden, aber das Album macht nunmal alles richtig, was eine knallige Metal-CD nur richtig machen kann. 12 Points go to... Spain!

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.06.2010

Tracklist

  1. The Manhattan Project
  2. Blast Off
  3. Of Men And Tyrants
  4. Clockwork
  5. Devil Take The Hindmost
  6. The Misanthropist
  7. Legally Brainwashed
  8. Get Out Of My Way
  9. My Insanity
  10. One Side One War
  11. Into The Storm
  12. National Disgrace
  13. Be Quick Or Be Dead (Bonus Track; Iron Maiden Cover)

Besetzung

  • Bass

    José J. Izquierdo

  • Gesang

    Guillermo Izquierdo

  • Gitarre

    David G. Álvarez, Guillermo Izquierdo

  • Schlagzeug

    Víctor Valera

Sonstiges

  • Label

    Century Media

  • Spieldauer

    51:23

  • Erscheinungsdatum

    29.06.2010

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