Manchmal sollte man eben nicht blind eine Rezension zusagen, ohne auch nur einen Ton von der entsprechenden Platte gehört zu haben. Bei ARSIS kann man nicht so viel falsch machen, dachte ich, denn die vorherigen Veröffentlichungen waren allesamt akzeptabel – mal mehr Schwedendeath, mal mehr Floridatod, wird also schon passen. Mein erster Gedanke beim ersten Durchgang von „Starve For The Devil“ war allerdings: „Was ist denn auf einmal mit denen los?“
Wie es scheint, sind ARSIS anno 2010 komplett auf den ARCH ENEMY-Trichter gekommen. Fort sind sie, die coolen Göteborg-Passagen. Fast verschwunden sind sie, die fetten US-Death Metal-Parts, stattdessen regiert auf diesem vierten Album, für das sich Bandkopf James Malone mal wieder eine komplett neue Mannschaft ins Haus holen musste, gleichförmige Langeweile. Sicherlich sind die Stücke von spieltechnisch hoher Qualität, und auch das Songwriting ist solide, doch was bringt das Können auf den Instrumenten, wenn bestenfalls ein „ARCH ENEMY in etwas besser“ herauskommt?
Das Schlagzeug triggert sich zudem extremst monoton einen Wolf, die Gitarren gniedeln gesichtslos ihre mit Vibrato geschwängerten, teils doppelläufigen Soli und schrubben Riffs aus ihren Läufen, die in etwa so viel Wiedererkennungswert besitzen wie die Börsennachrichten des vorgestrigen Nachmittags, der Bass ist meistens irgendwo hinten ums Eck eine rauchen, und der Krächzgesang ist nicht mehr als Standardko(s)t. Kräääkrääää iaaargh iaaargh, schrubb schrubb, klickerklacker, dudeldudel, röttöttöttö, nächster Song, gleiches Spiel von vorne.
FAZIT: Ideenlosigkeit und beinahe schon Plagiatismus, klinische Produktion, nichtssagende Songs – all das sind Faktoren, die für eine Band wie diese, die zu <i>deutlich</i> mehr in der Lage ist als sie hier zeigt, zum musikalischen Selbstmord führen. „Starve For The Devil“ ist verschwendeter Rohstoff, der die Regale verstopft. Dadurch geht Platz verloren, den wesentlich hungrigere, kreativere Bands eher verdient hätten. Auch Schönhören mag nicht klappen, eher bin ich froh, endlich das Review für diese nervtötende Scheibe hinter mir zu haben. Wie wäre es, das nächste Mal einfach mit etwas mehr eigenen Ideen und mehr Spritzigkeit zu Werke zu gehen?
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.02.2010
Nathaniel Carter
James Malone
James Malone, Nick Cordle
Michael Van Dyne
Nuclear Blast
40:45
05.02.2010