Wenngleich sich dieses isländisch-deutsche Kollektiv aus zehn Musikern solchee Bands wie DRAUTRAN, HELRUNAR, DYSTHYMIA und KERBENOK den üblichen Klischees weitgehend entzieht, tönt das Debütalbum nach dem Lesen der Bandbiographie nicht so ungewöhnlich wie erwartet, aber durchaus recht eigen.
Das sehr bildhafte Treiben, welches thematisch das mittelalterliche Leben in Island aus verschiedenen, meist kritischen Perspektiven beleuchtet, anstatt stumpf Oden an die Heimat herunterzurattern, bietet dramatischen, anspruchsvollen Black Metal nordischer Prägung, gerne aber auch an die epischeren Zeiten BATHORYs, während der Folk-Anteil ein wenig eigenständiger daher kommt und mit der gewöhnlichen Viking-/Pagan-Baumkuschel-Schunkelei wenig gemein hat. Hinzu gesellen sich immer wieder Sounds aus der Natur sowie Ambient-Versatzstücke, was „Jötunheima Dolgferð“ einen cineastischen Charakter beschert.
Zwar sind die Damen und Herren sehr darum bemüht, mit reichhaltiger Instrumentierung und kompositorischer Offenheit zu Werke zu gehen, aber dennoch passiert es (noch) immer wieder, dass sich die Ideen in den teils überlangen Stücken wiederholen. Die Exotik der Band, die nicht zuletzt auch den komplett isländischen Texten zu verdanken ist, ist sicherlich eines der Alleinstellungsmerkmale und Vorteile für das Debüt des Dezetts, allerdings sollten sich ÁRSTÍÐIR LÍFSINS nicht darauf ausruhen. Wenn die Truppe das Songwriting für die Zukunft verfeinern kann, besonders aber die Stücke mit nicht ganz so vielen Gesängen überlädt, traue ich ihr locker zu, in der folkigen Black Metal-Szene Werke mit Klassikerpotenzial zustande zu bringen.
FAZIT: Der Ansatz der Band ist goldrichtig, und qualitativ ist schon jetzt ein unkaputtbares Fundament gelegt, doch nach oben ist – Achtung, Phrasenalarm! - noch etwas Luft. Hoffnungsvolle zehn Zähler hat der siebzigminütige Longplayer jedenfalls mindestens verdient. Und fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass die natürliche Produktion dieses neun Tracks starken Albums mit eine der besten in diesem Genre ist.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 25.09.2010
Stefán
Stefán, Georg, Marsél, Lóretta
Stefán
Sveinn, Stefán
Árni
Stefán, Árni, Georg, Marsél, Lóretta, Kristján, Colin, Þórarinn (Chor) Stefán (Klavier, Vibraphon), Kristófr (Bodhrán), Sveinn (Effekte)
Ván Records
70:08
08.10.2010