Niklas Sundins Artwork weist den Weg von Pastaland nach Schweden und nimmt dabei gleich einen Zeitsprung in die Mitte der Neunziger vor, als die Band ihres Coverkünstlers sich mit "The Gallery" und "The Mind's I" auf ihrem kreativen Höhepunkt befand. Die noch junge Band kopiert dabei nicht plump und führt das Konzept in überlangen Stücken weiter, die nicht immer zur Gänze aufgehen.
Fabio Caruso darf man verzeihen, dass er sich kreischerisch nicht den Genrekonventionen enthebt, da er andererseits seine klare Stimme nicht im vorhersehbar modernen Gestus einsetzt und zudem wirklich singen kann. Ohnehin wird man bei AS MEMORY DIES keinen Hauch von Core verspüren, und das ist verdammt gut so. Der Opener "Eyeway To Identity" (und wieder: man mag die Wortspiele aus dem optischen Bereich wie Dark Tranquillity ...) entschuldigt etwaige Zerfahrenheit nicht mit Überlänge in Gestalt aneinandergereihter Ideen ohne gegenseitigen Bezug, sondern klingt schlüssig von Anfang bis Ende. Leider fügen die Musiker zwei ebenfalls längere, aber schwächere Tracks an, was angesichts der Struktur des Albums wirkt, als sei dessen Mittelteil das schwächste Glied. So zieht man das Gesamtbild unbewusst in den Keller, und dies kommt verschenkten Möglichkeiten gleich: hätte man seine Einfälle genau hier in kompaktere Formate kanalisiert, wäre Größeres dabei herausgekommen.
"Distress In A Velvet Room" dient als Hinführung zum Epic-Deather "The Tragical History of Doctor Faustus". Hiermit verhebt man sich an Christopher Marlowes Dramatext, erschafft musikalisch jedoch ein Glanzstück fürs Portfolio: Spannungsbögen beschreibt die Band bereits wie keine zweite in diesem Stadium ihres Daseins. Die literarische Vorlage wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper im post-Opeth-Sound der Gruppe. Dessen durchweg bekannte Bestandteile riechen weder nach Plagiatsküche noch undefinierbar auf Grund etwaigen Rührens in zu vielen Töpfen; bei aller Farbenfreude klingt man einheitlich wie das dominierende Grün im Layout. Im übertragenden Sinn wird man hinter den Ohren der Protagonisten indes nichts von dieser Couleur entdecken: beleckt, ausdrucksfreudig - nur vielleicht noch etwas zu viel fordernd treten sie in Erscheinung.
FAZIT: AS MEMORY DIES sind eines der stärksten Argumente für zukünftige Glanztaten aus Italien fernab fetthaltiger Mozarella-Melodien. Traditionell harmonieseliger Death Metal und Neuerung nicht um ihrer selbst willen schließen sich auf "Transmutate" nicht aus. Nächstes Mal wird weniger hoffentlich mehr sein.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.03.2010
Diego Polato
Fabio Caruso
Cristian Barocco, Valerio Beninati
Nicola Costantini
Eigenvertrieb
49:28
08.03.2010