Die Welt ist ungerecht und das Musikbusiness erst recht. Da hat man schon mit Patrik Johansson einen Sänger in den eigenen Reihen, der einem Ronnie James Dio oder einem Jorn Lande in fast nichts nachsteht, veröffentlicht seit 2002 Alben im Zweijahres-Rhythmus, die von der Presse regelmäßig gute Noten bekommen und trotzdem bleibt der richtige Durchbruch aus. Die Rede ist natürlich von den ASTRAL DOORS, die mit "Requiem Of Time" ihr fünftes Album auf die Fans loslassen - und ich wage zu prophezeien, dass sich an ihrem Status Quo nicht allzu viel ändern wird.
Denn auch "Requiem Of Time" ist an sich ein richtig gutes Album, das natürlich von Johanssons großartiger Stimme getragen wird, aber auch sonst handwerklich kaum Anlass zur Klage gibt. Stilistisch bewegen sich die Schweden dieses Mal im Bereich zwischen Hardrock mit klassischer 70er Schlagseite (und entsprechend coolen Orgelsounds) und melodischem Metal. Die Songs gehen gut ins Ohr, machen Spaß, haben prägnante Refrains und werden niemanden überfordern. Die ASTRAL DOORS machen also eigentlich überhaupt nichts falsch. Und jetzt folgt das im Raum stehende "Aber": denn trotzdem hat man nie das Gefühl, hier einem kommenden Klassiker zuzuhören, kurz bevor die Bombe explodiert, verlischt die Lunte einfach so.
Das mag daran liegen, dass die Stärke der Band eben nicht in der Eigenständigkeit liegt. So fühlt man sich natürlich an alle Bands erinnert, bei denen Dio seine Stimmbänder strapaziert, rockt in tief lila drauf los oder spricht Fans von Hammerfall und Masterplan in den moderneren Stücken wie "Rainbow Warrior" an. Hymnische, bisweilen übertrieben pathethische Refrains (wie bei "Power And The Glory") werden mit arg klischeebehafteten Lyrics ausgestattet, was im Falle von "Blood River" wiederum bestens funktioniert. Gute, nach vorn preschende Nummern wie der Opener, das beharrliche "So Many Days So Many Nights" oder "The Healer" stehen so manch einem Song gegenüber, der am ehesten das Prädikat "Lückenfüller" verdient. So schleicht sich im Verlauf des Albums ein wenig Langatmigkeit ein. Auch hätte der Sound ruhig noch erdiger ausfallen können, die Produktion übernahm dieses Mal der bandeigene Gitarrist Martin Haglund.
FAZIT: Eine C-Klasse ist zwar schon ein Mercedes und ein gutes Auto, allerdings von Qualität und dem Glanz einer E- oder gar S-Klasse noch ein Stückchen entfernt. Ganz ähnlich verhält es sich mit ASTRAL DOORS' "Requiem Of Time", das ein wirklich gutes Album geworden ist, aber nicht in die Oberklasse vordringen kann.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.02.2010
Mika Itäranta
Patrik Johansson
Martin Haglund, Joachim Nordlund
Joakim Roberg
Johan Lindstedt
Joakim Roberg (Orgel)
Metalville
59:11
15.01.2010