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Athorn: Phobia

Stil: Power/Progressive Metal

Cover: Athorn: Phobia

Es gibt kaum etwas, das Metalfans skeptischer macht als Vorschusslorbeeren für eine unbekannte Band. Wenn Jeff Loomis (NEVERMORE) beispielsweise über ATHORN sagt, dass die Hannoveraner Jungs „wirklich fantastisch“ klingen, wenn Fuchs von den APOKALYPTISCHEN REITERN „lange nichts mehr gehört hat, was mich so begeistert hat“, dann horcht der gemeine Metaller auf und wittert den schlimmsten Feind der ehrlichen Stromgitarren-Musik – den Hype.

Doch gemach, gemach, liebe Wächter der wahren Werte im Metall. Denn ATHORN sind weit davon entfernt, ein künstlich aufgeblähter Ballon zu sein. Das, was der Fünfer aus der niedersächsischen Landeshauptstadt auf seinem Debütalbum von sich gibt, hat ein verdammt dickes Fundament.

Größtenteils im groovenden Midtempo gehalten, stimmen ATHORN ihre Instrumente im Spannungsfeld zwischen Iced Earth, Mystic Prophecy, Evergrey oder Nevermore. Das tun sie erfreulicherweise aber mit einer gehörigen Portion Selbständigkeit, ohne einfach nur die besten Momente der genannten Institutionen zu vermengen.

Es ist schon erstaunlich, wie tight man aufeinander eingespielt ist. Die Songs sind durch die Bank weg anspruchsvoll, überzeugen in technischer Hinsicht auf ganzer Linie, sind aber nicht so verkopft, dass man sie erst nach dem 25. Hördurchgang unter den 500 Euro teuren Bose-Kopfhörern nachvollziehen kann. Die Stücke sind mit einer gesunden Portion Härte ausgestattet, die aber zu keiner Sekunde aufgesetzt wirkt. Härte nur der Härte wegen? Hier nicht.

Insbesondere Sänger Carsten Frank liefert auf „Phobia“ eine beeindruckende Bandbreite ab, knurrt mal so böse wie ein Death-Metal-Fronter (vielleicht ein-, zweimal zu oft), um dann kraftvoll wie der frühe Matt Barlow zu klingen. Aber auch was Leadgitarrist Stefan Schönebeck immer wieder abfeuert, ist aller Ehren wert. Die trockene Produktion tut ihr übriges, unterstreicht dabei den latent modernen Touch, den die zehn Songs ausstahlen. Es ist schon kurios: Die Einflüsse der Band liegen hörbar verstärkt in den Anfangstagen der oben genannten Bands, ATHORN schaffen es aber, diesen Sound der frühen 90er Jahre problemlos zu modernisieren, ohne dabei auf irgendeinen Trendzug aufzuspringen.

FAZIT: Wer auf kraftvollen Power Metal – und zwar echten Power Metal in seiner ursprünglichsten Definition! – steht, der muss in „Phobia“ zumindest reinhören. ATHORN zeigen eine Professionalität und traumwandlerische Sicherheit beim Songwriting wie alte Hasen, legen dazu eine unbekümmerte Frische an den Tag, wie es nur Neulinge können. Ein explosives Debüt, das deutlich mehr als nur einen exklusiven Hörerkreis verdient.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.11.2010

Tracklist

  1. Angel of the fall
  2. Emperor of ruins
  3. Humanize the demon
  4. Phobia – Prologue
  5. Phobia
  6. After the end
  7. A matter of time
  8. From beyond
  9. The ferryman
  10. Schizophrenia

Besetzung

  • Bass

    Thomas Maiwald

  • Gesang

    Carsten Frank

  • Gitarre

    Stefan Schönebeck, Tobias Liedke

  • Schlagzeug

    Sören Becker

Sonstiges

  • Label

    AFM/Soulfood

  • Spieldauer

    49:55

  • Erscheinungsdatum

    17.09.2010

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