Zur Zeit gelangen ja mal wieder so einige stilistische Ausreißer und Sonderlinge zu uns. Gut so, denn es ist immer wieder mal hörenswert, was sich jenseits des Rock-Horizonts abspielt.
AULI ist eine zehnköpfige Truppe, bestehend aus neun Letten und einer Estin, und zusammen entlockt das baltische Dezett einem estnischen und fünf lettischen Dudelsäcken, der auch Wannenfidel genannten Giga, Maultrommeln, Flöten, Gongs, Becken, Fasstrommeln und weiteren Percussion-Instrumenten mittelalterliche Klänge, die es in pulsierende, fast zu hundert Prozent instrumentale Kompositionen verpackt, welche teilweise etwas von tranceartigen Tänzen rund um ein lichterloh brennendes Feuer haben. Wenn man möchte, könnte man das, was die zehn auf ihrem dritten Album „etnotranss“ verzapfen, auch als die Bio-Variante des Techno-Trance interpretieren.
Für ungeschulte, sprich rock-geeichte Ohren, ist die ganze Geschichte vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig und anstrengend, doch wenn man auch nur ansatzweise über musikalische Empathie verfügt, wird man schnell feststellen, dass AULI ihre Musik bis in die letzte Faser ihres Körpers leben, sich ihr regelrecht ausliefern. In Kombination mit aufregendem Songwriting – wie es hier meist der Fall ist – entsteht mit „etnotranss“ ein Werk, das das Prädikat „wertvoll“ verdient hat.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.11.2010
Kaspars Indrevics, Edgars Krumins, Micus Cavarts, Gatis Valters
Edgars Karklis, Gatis Indrevics, Normunds Vaivads (Lettischer Dudelsack), Leanne Barbo (Estnischer Dudelsack, Maultrommel), Gatis Valters (Giga), Kaspars Barbals (Lett. Dudelsack, Flöte), Maris Jekabsons (Lett. Dudelsack, Gesang)
Westpark Music
49:21
22.10.2010