Schaut man sich an, in welchen Bands die Mitglieder von Audiovision zuvor aktiv waren, nämlich NARNIA, VENI DOMINE und SAVIOUR MACHINE und nimmt man Songtitel wie "The Son Will Come" oder "Fruit Of Love" hinzu, dann weiß man schon, was einen auf "Focus" inhaltlich erwartet: nämlich Christliches. Musikalisch geht es weniger kontrovers zu, äußerst solider Hardrock mit Melodic Metal-Einschlag steht auf dem Programm.
Es gibt ja nicht wenige, die sich über christliche Texte mokieren, paradoxerweise aber überhaupt kein Problem damit haben, wenn dem Beelzebub in den Lyrics gehuldigt und gelobpreist wird. Lobpreis ist das richtige Stichwort, denn die Texte von Audiovision kommen ohne erhobenen und übertriebenen moralischen Zeigefinger aus, sondern behandeln überwiegend die Liebe Gottes und die Rettung durch den Kreuzestod Jesu. Somit haben wir es hier mit überaus positiven Texten zu tun, an denen es meiner Meinung nach nicht viel auszusetzen gibt. Man muss ja nicht gleich mitsingen, wenn man sich nicht damit identifizieren kann. Und wo wir gerade bei singen sind: das kann Christian Liljegren ausgesprochen gut, sein Organ erinnert ab und an eine hellere Version von Ronnie James Dio.
Noch weniger als bei den Texten, nämlich fast nichts gibt es an den Songs selber auszusetzen. Denn das Songwriting ist fokussiert und kommt stets auf den Punkt, ist hier und da aber einen Hauch zu routiniert und perfektionistisch. Eingängige Refrains gibt es in fast jeder der elf Nummern, die darüberhinaus genug Abwechslung ins Spiel bringen. Uptempo-Nummern wie der Opener "Invitation" oder "We Will Go" gesellen sich zu galoppierenden Metalsongs ("You Are The Reason", "The Way") und balladeskem wie "Fruit Of Love" oder dem wirklich schönen "The Gate". Dass angesichts der Erfahrung der beteiligten Musiker handwerklich nur Spitzenmäßiges geboten wird, war zu erwarten, hinzu kommt eine glasklare, manchmal vielleicht zu glatt polierte Produktion von Erik Mårtensson (W.E.T., ECLIPSE).
FAZIT: Man kann es drehen und wenden wie man will, rein musikalisch führt für Melodic Metaller an AUDIOVISIONs zweitem Album "Focus" so gut wie kein Weg vorbei. Wer auf neuere EDGUY, EUROPE, NARNIA und natürlich auch STRYPER abfährt, wird dieses Album sehr schnell in sein Herz geschlossen haben und sollte sich keinesfalls an der Message des Albums stören. Man wird ja nicht gezwungen, fortan jeden Sonntag in die Kirche zu gehen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.05.2010
Simeon Liljegren
Christian Liljegren
Torbjörn Weinesjö
Olov Andersson
Thomas Weinesjö
Ulterium Records
49:19
23.04.2010