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Avantasia: Angel Of Babylon

Stil: Melodic Power Metal

Cover: Avantasia: Angel Of Babylon

Über Avantasia an sich hat der Kollege, der "The Wicked Symphony" besprochen hat, im Grunde genommen ausführlich genug ausgelassen, so dass ich eigentlich direkt auf die Musik auf dem zweiten neuen Album, das "Angel Of Babylon" betitelt wurde, zu sprechen kommen könnte. Zuvor sei aber noch angemerkt, dass ich Tobias Sammet für den derzeit besten und wichtigsten deutschen Musiker im Bereich des melodischen Metals halte. Neben der Tatsache, dass er ein außergewöhnlicher guter Sänger ist, ist sein Ideenreichtum, sein Arbeitseifer und seine songschreiberische Klasse wirklich unbeschreiblich und so freue ich mich auf jedes neue AVANTASIA- und EDGUY-Album. Und werde darüber hinaus auch nie von seiner Arbeit enttäuscht.

"Angel Of Babylon" und "The Wicked Symphony" sollen ja als Alben für sich allein stehen, weshalb sie auch jeweils einen eigenen Titel bekommen haben. Trotzdem werde ich beim Opener "Stargazers" (der natürlich kein Cover des RAINBOW-Klassikers ist) den Eindruck nicht los, als würde Teil zwei des Doppeldeckers nun starten. Der Longtrack beginnt irgendwie nicht wie ein typischer Albumopener, sondern halt wie eine Fortsetzung. Nach dem ruhigen Einsteig entwickelt sich der Song zu einer Uptemponummer, in der mindestens vier verschiedene Stimmen zu hören sind, der grandiose Refrain wird zum großen Teil von Michael Kiske gesungen. Im Gegensatz zum überragenden "The Scarecrow" vom letzten Album sind die Zwischenparts nicht ganz so zwingend und bestehen meist nur aus guten, aber nicht gerade umwerfenden Soli. Der folgende Titeltrack ist der Song, der die meisten Probleme hat, sich schnell festzusetzen und wirkt für Sammets Verhältnisse schon fast sperrig. Vielleicht wächst er ja noch mit der Zeit, zunächst bleibt er aber klar der schwächste des Albums. Das etwas doof betitelte "Your Love Is Evil" ist dann ein simpler Rocker mit 80er-Flair, das besonders durch die Keyboard-Sounds hervorgerufen wird. Der Refrain ist einprägsam und bleibt sofort hängen, die Nummer endet aber unerwartet abrupt.

Es wäre falsch, nun von einem enttäuschenden ersten Eindruck zu sprechen, denn solche Songs muss man erstmal schreiben können, nur kann es Sammet für meinen Geschmack eben besser. Und zeigt das dann auch mit "Death Is Just A Feeling". Zwar ist der Übergang vom simplen Rocker zu dieser Nummer mit ihrer dunklen Zirkus- und Varieté-Atmosphäre dramaturgisch leicht holprig, aber der Song begeistert dann uneingeschränkt, besonders Jon Olivas Stimme passt hervorragend zu dem ungewöhnlichen Song. "Rat Race" ist dann wieder schneller und extrem eingängig und hebt sich dazu mit modernen Soundspielereien ab. Klar ist nun auch, dass "Angel Of Babylon" verdammt abwechslungsreich geworden ist. Und danach läuft das Album endlich auch zur Höchstform auf. "Down In The Dark" ist ein leicht düsterer, aber sehr melodischer Hit, wie ihn eben nur Sammet schreiben kann und wofür ich ihn liebe. Die wunderschöne Ballade "Blowing Out The Flame" läd mit seinem Chor im Kehrvers zum schmachtend-in-den-Armen-liegen ein und mit "Symphony Of Life" geht es in bombastisch, härtere Gefilde mit hauptsächlich weiblichem Gesang. Der Song ist auch wieder moderner arrangiert und dürfte vor allem Fans von Female-Fronted-Metal-Acts ansprechen.

Endspurt! "Alone I Remember" versprüht in den Strophen SKID ROW-Flair und wartet im softeren Refrain mit typischen Avantasia-Melodien auf, die manch einem aber zu cheesy sein könnten. Deluxe Melodic Metal der schnelleren Gangart wird bei "Promised Land" geboten und wer auf die ersten beiden Avantasia-Scheiben stand, wird hier selig mitbangen. Die "Journey To Arcadia" ist dann der über siebenminütige Rausschmeisser, der ruhig anfängt und melodisch-hymnisch dann nochmal alle Register zieht. Dass die Gesangsleistungen allesamt mindestens das Prädikat "sehr gut" verdienen, steht außer Frage, das war aber auch noch nie ein Problem bei Avantasia. Hinzu kommt ein Sound, der überraschenderweise nicht überproduziert ist, sondern fast schon erdig klingt und besonders den Gitarren viel Raum lässt.

FAZIT: "Angel Of Babylon" hat anfangs ein paar Schwierigkeiten, so richtig in Schwung zu kommen, die sich dann aber zum Glück legen. Den Vergleich mit "The Wicked Symphony" kann ich an dieser Stelle noch nicht ziehen, weil ich mich erstmal ausschließlich mit diesem Teil beschäftigt habe, mir gefällt dafür der Vorgänger "The Scarecrow" einen Tick besser. Nichtsdestotrotz steht "Angel Of Babylon" natürlich meilenweit über dem Durchschnitt, was ein Zauberrefrain nach dem anderen eindrucksvoll belegen.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.04.2010

Tracklist

  1. Stargazers
  2. Angel Of Babylon
  3. Your Love Is Evil
  4. Death Is Just A Feeling
  5. Rat Race
  6. Down In The Dark
  7. Blowing Out The Flame
  8. Symphony Of Life
  9. Alone I Remember
  10. Promised Land
  11. Journey To Arcadia

Besetzung

  • Bass

    Tobias Sammet

  • Gesang

    Tobias Sammet, Jorn Lande, Russell Allen, Bob Catley, Klaus Meine, Tim "Ripper" Owens, Michael Kiske, Andre Matos, Ralf Zdiarstek

  • Gitarre

    Sascha Paeth, Bruce Kulick, Oliver Hartmann

  • Keys

    Michael Rodenberg, Simon Oberender

  • Schlagzeug

    Eric Singer, Felix Bohnke, Alex Holzwarth

Sonstiges

  • Label

    Nuclear Blast

  • Spieldauer

    58:55

  • Erscheinungsdatum

    03.04.2010

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