Dieser jungen deutschen Gruppe hört man am Gesang (harte Aussprache) an, wo sie herkommt. Das fällt bei ihrer Emo-Alternative-Mischung, die klingt, als könne sie kein Wässerchen trüben, aber gar nicht schwer ins Gewicht. Klasse produziert und komponiert ist das Material, und darauf kommt es an.
Alle Songs stellen potenziell poppige Genrehits dar, angefangen beim wie ein dringendes Anliegen wirkenden Opener über das leichtfüßige "Nights" sowie das etwas melancholischere "Breakwater". Als "Melancholy Noise" bezeichnet man seinen Stil übrigens auch; so muss es im Schubladenzeitalter eben sein. Am rhythmisch sehr abwechslungsreichen "Short.Cut" erkennt man die Wandelbarkeit der Gruppe, denn obwohl sie konkret in einer Stilistik ortbar ist, lassen die Musiker sich nicht auf eine Typ Song festnageln. Martin Classen ist neben seinem agilen Drumpartner (höre dazu besonders "Share") ein kreativer Bassist, wie man sie bei vergleichbaren Bands nicht immer antrifft.
Im Gesamtpaket erhält der Hörer somit die Scheibe einer Formation, der alle Türen offenstehen. Der Rezensent hat persönlich nur ein Problem mit den bisweilen sehr affektiert wirkenden Gesangsmelodien, welche die große Indie- und Alterna-Blase offenbar regelmäßig absondern muss. Andererseits salbadern DEVELOPMENT DISORDER zu keiner Sekunde so ätzend aalglatt (wahlweise auch klebrig) wie nicht wenige amerikanische Kollegen, deren Lyrics zudem vor White-Trash-Nichtigkeiten strotzen.
FAZIT: DEVELOPMENT DISORDER sind ein heißes Eisen im Feuer derer, die von MY CHEMICAL ROMANCE ohne Schmalz über A.F.I., THURSDAY bis hin zu COHEED AND CAMBRIA ohne Prog alles fressen. Eintrichtern lassen muss man sich das Quartett nicht, denn es überzeugt allein durch das, was es zu Gehör bringt.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.05.2010
Martin Classen
Michael Dolinski
Chris Hell
Mario Irrmischer
Eigenvertrieb
23:13
26.03.2010