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Die Knappen: Auf Kohle geboren

Stil: Deutschsprachiger Metal / Punk

Cover: Die Knappen: Auf Kohle geboren

Das Ruhrgebiet erfreut sich im Medienmainstream wie innerhalb der Subkultur spätestens seit der Kulturhauptstadt-Kiste erhöhter Aufmerksamkeit. Gerade erschien die Aufarbeitung der metallischen Geschichte der Region in Buchform, da kommt ihr bekanntester Protagonist Tom Angelripper mit Texten und Tönen dazu zu Potte - wortwörtlich gewissermaßen.

Dieses Album ähnelt den deutschsprachigen SODOM-Alben nur bedingt, wenngleich auch hier in erster Linie punkiger Metal geboten wird. Die Band dickt diesen jedoch bei gleichzeitiger Gewichtung des voranstehenden Adjektivs mit gehörig viel Straßenköter-Attitüde an, welche sich wie im Opener in wunderbaren Abgeher-Solos Bahn bricht. Generell lässt sich also ebenso zu DIE KNAPPEN bangen wie pogen und dabei die speckige Leder- oder Jeansjacke durch die Luft wirbeln; nicht umsonst erfolgt die Veröffentlichung bei einem einschlägigen Genrelabel wie Sunny Bastards. Davon abgesehen hat Angelripper, der in letzten Interviews beschäftigter als sonst mit deutscher Tagespolitik zu sein schien, viel Wert auf seine Texte gelegt, welche er den Zechenveteranen der Heimatgegend widmet. Sie schwanken zwischen ernster Kritik und bekannter Bierseligkeit, jedoch auf charmant unpeinliche Weise. Im Gegensatz dazu - oder passenderweise je nachdem, wie man es sieht - tendiert die Musik, obwohl seltener als erwartet, stärker zum klassischen Metal ("Der alte Mann von Revier 10") und zum Thrash eher kaum. Fußballpoesie darf im Kontext logischerweise nicht fehlen ("Komm mit auf ein Bierchen nach Gelsenkirchen", "Schalke ist Papst"); überraschender klingt da schon das gediegenere "Kein Weg ins Licht", welches den nachdenklichen Mitgrölern der verblichenen Frankfurter Vorzeigeband BÖHSE ONKELZ nicht unähnlich ist. Ansonsten empfehlen sich der speedige Rotzrock von "Glück auf Jupp" sowie das metallischste Stück "Man sagt ...".

An vorletzter sowie letzter Stelle werden ein Schlager von Goerg Rüsmann und Kurt Lauterbach beziehungsweise ein Traditional zelebriert, welche nicht-Pottlern womöglich unbekannt sind; Das "Glück auf!" im "Steigerlied" klingt zumindest dem Saarländer im Rezensenten vertraut, doch dessen ungeachtet dürfte sich auch die Klientel Angelrippers, welche sich nicht die Finger auf der Arbeit schmutzig macht, helle Freude an "Auf Kohle geboren" finden. Die Halbwertszeit ist gar nicht so gering, sodass man gerne auf Replay drückt, nachdem die Dreiviertelstunde verklungen ist; immerhin sind noch ein paar Flaschen im Kasten ...

FAZIT: Wer Tom Angelrippers Soloscheiben als ONKEL TOM nicht mag, sollte hier reinhören: DIE KNAPPEN balancieren Textwitz und seriöse Worte gekonnt, wie sie auch das Alphabet des angepunkten Metal oder wahlweise Streetrock von TANK bis MOTÖRHEAD beherrschen. Dieses Songdutzend verzeichnet jedenfalls 12 Hits in diesem Bereich, klingt produktionstechnisch klasse und wurde ebenso niveauvoll performt, wobei Andy Brings als Gastklampfer fungierte und mit Björn Gooßes (NIGHT IN GALES) ein weiterer Ruhrpott-Metaller die optische Gestaltung übernahm.

Punkte: 11/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.11.2010

Tracklist

  1. Auf Kohle geboren
  2. Der alte Mann von Revier 10
  3. Et nützt ja alle nix
  4. Wir sind Knappen
  5. Kein Weg ins Licht
  6. Vor Ort
  7. Komm mit auf ein Bierchen nach Gelsenkirchen
  8. Glück auf Jupp
  9. Man sagt ...
  10. Schalke ist Papst
  11. Mädchen aus dem Kohlenpott
  12. Steigerlied

Besetzung

  • Bass

    Ralf Schieritz

  • Gesang

    Tom Angelripper

  • Gitarre

    Detlef Lauster, Frank Seraphin

  • Schlagzeug

    Stefan Schlüter

Sonstiges

  • Label

    Sunny Bastards / Broken Silence

  • Spieldauer

    47:49

  • Erscheinungsdatum

    05.11.2010

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