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Downstairs Left: waiting for the golden age

Stil: Melancholic Wave

Cover: Downstairs Left: waiting for the golden age

Ein gutes Jahr nach der „Nothing But Memories“-EP erscheint das Debüt des deutschen Trios DOWNSTAIRS LEFT. Über eine Stunde, inklusive dreier Bonustitel, Musik der ganz ruhigen, melancholischen, semi-akustischen Art. Ob man das jetzt Gothic- Wave- oder Dream-Pop nennt, ist eigentlich egal. Hat von allem ein bisschen und ist letztlich nur eine Umschreibung für ein paar beschauliche Schleicher, die man an einem kühlen Herbstabend ganz gut im Kerzenschein hören kann. Nebenbei lässt sich wunderbar die Bügelwäsche erledigen, Socken stopfen oder traurige kleine Gedichte ins geheime Tagebuch schreiben.

Die Melodien plätschern gleichförmig dahin, ein sanfter ruhiger Fluss, manchmal aufgebrochen durch kurze elektrische Gitarrenkapriolen. Klingt sporadisch so, als spiele MIKE OLDFIELD ein abgespecktes ENIGMA-Tribut („Hands Of Destiny“). Solche Musik wird gerne „atmosphärisch“ genannt, wobei stoisch ignoriert wird, dass selbst brutalster Death Metal Atmosphäre besitzt, meint aber natürlich das melodramatische Schwelgen in Sehnsucht – wonach auch immer.

Größtes Manko des Albums sind die Texte. Dass Hayle ein ziemlich teutonisches Englisch singt – geschenkt: Da sind wir von Klaus Meine oder Frank Bornemann extremeres gewohnt. Der Mann hat eine ordentliche Stimme, aber was die von sich gibt … besitzt weder inhaltliche Tiefe, noch die Bindung an eine real existierende Grammatik. Als hätte Mrs. Winterbottom dem kleinen, dicken, traurigen Jungen in der letzten Bank befohlen, seine Übersetzungen wortwörtlich vom Deutschen ins Englische zu übertragen. Dann kommen solche Weisheiten zustande wie: „The fear of the future, in front of me only uncertainty, a mirror never lies“ (Desparation Song“, insgesamt eine lyrische Granate) oder „it’s every day the same, you do your work, you make what other expect“ - for real, ohne Druckfehler! Zu finden in „And You Smile“, trotzdem der beste, weil abwechslungsreichste Song des Albums.
Wenn schon kein natural born speaker in der Nähe ist, sollte man sich vielleicht jemanden zum Korrektur lesen suchen, der wenigstens einen Abschluss in Grundschul-English hat, bevor man mit solchen Textperlen die trash as trashcan um weitere Highlights bereichert.

Auf der akustischen Version von „The Rose“ und dem Remix von „Typewritten Life“ gesellt sich im Bonusteil eine, im Booklet nicht explizit erwähnte, Sängerin zu Hayle. Während die beiden im gemeinsam vorgetragenen „The Rose“-Duett ziemlich aneinander vorbei singen, ist „Typewritten Life“ um Längen besser gelungen. Hier darf Madame auch alleine ran und bewältigt das NO COMMENT-Cover mit lasziver Sentimentalität und sauberer Intonation.

FAZIT: Musik, die an den alten Monty Python-Sketch über die Spanische Inquisition erinnert, in dem die liebenswürdige Oma erst in einen bequemen Ohrensessel gesetzt wird und dann die „Folter“ mit den weichen Kissen beginnt.
Alle, die sich noch an GAZEBOs „I Like Chopin“ mit einem wohligen Schauer erinnern, dürften bei „waiting for the golden age” dunkel angehauchte Erfüllung finden. Ein musikalisches Bächlein, das beruhigend und unaufgeregt dahin rieselt. Für die einen ist es ein “traurig-schöner Schatten, der den Zuhörer sofort mit zarter Melancholie umwebt“, für die anderen eine einlullende Schlaftablette.

Punkte: 7/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 18.10.2010

Tracklist

  1. My Angel
  2. Why
  3. If You Are Gone
  4. Desperation Song
  5. Today
  6. And You Smile
  7. Sunken Home
  8. Pictures Of Past
  9. Hands Of Destiny
  10. Dusty Dead Moon
  11. The Rose (Acoustic Version)
  12. Typewritten Life (Remix)
  13. Hope

Besetzung

  • Bass

    Sewin

  • Gesang

    Hayle

  • Gitarre

    Eld

  • Sonstiges

    Hayle (Sampling, Programming)

Sonstiges

  • Label

    Echozone/Intergroove

  • Spieldauer

    61:34

  • Erscheinungsdatum

    22.10.2010

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