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Dr. Feelgood: Oil City Confidential (DVD)

Stil: Rock

Cover: Dr. Feelgood: Oil City Confidential (DVD)

Im Gegensatz zu "The Filth & The Fury" über die SEX PISTOLS sowie den JOE-STRUMMER-Film "The Future Is Unwritten" ist Julian Temples dritter Streifen im Bunde namens "Oil City Confidential" weniger bekannt, was auch für seine Hauptdarsteller gilt. Mit dieser DVD-Auflage nebst Bonusmaterial darf man sich zum Nachholunterricht begeben.

Gegenstand ist nämlich der Werdegang der britischen Pubrocker DR. FEELGOOD von den frühen Siebzigern bis zum Tod ihres Fronters Lee im Jahr 1994. Nicht einmal in ihrer Heimat erfreut die Combo sich einer größeren Bekanntheit (ein typisches zweite-Reihe-Phänomen), obwohl sie das Zeitgeschehen seit Erwachen des Rock'n'Roll in den folgenden Dekaden mitgemacht, wenn auch nicht vordergründig und vor allem skandalträchtig-medial mitbestimmt hat. Ist man mit dem Stil des Regisseurs bekannt, wundert die niemals hektische Collagentechnik bei der Rekapitulation ihrer Geschichte nicht. Ziel des Machers war es, DR. FEELGOOD als Vorreiter des Punk nachzuzeichnen, was zunächst über die Erläuterung der sozialen wie musikalischen Wurzeln der Band geschieht. Parallelen zu THE WHO tun sich auf; Arbeiterklasse, Surf sowie Grassroots-Phänomen und Beat bieten sich als Schlagworte an, und es ist erstaunlich, dass die Gruppe den Kontinent mit einigem Erfolg beackerte und im Nachhinein bestenfalls als rockhistorische Randerscheinung in die Annalen einging. Inwieweit DR. FEELGOOD jüngere Bands tatsächlich beeinflusst haben, ist für die Berechtigung des Films unerheblich, jedoch geschah es wahrscheinlich nachhaltiger, als viele es zugeben mochten. Vielleicht sind die Betreffenden sich auch gar nicht bewusst, weil der Impuls indirekt auf sie wirkte, aber wie dem auch sei: der Unterhaltungsfaktor von Temples Werken ist hoch, da er seine dokumentarischen Schnipsel in Farbe wie Schwarzweiß im richtigen Tempo feilbietet, ohne den Betrachter zu erschlagen. Die Künstler erinnern sich dabei im urigen Slang an ihre Flegeljahre zurück und könnten damit kaum authentischer sein.

Interessant für Kenner ist wohl vor allem die Bonussektion von fast 50 Minuten inklusive eines sehr ausführlichen Interviews mit dem verstorbenen Frontmann, nach welchem keine Fragen mehr offen sein dürften. Wer sich der britischen Rock-Explosion nur annähern möchte, sollte bei den üblichen Verdächtigen beginnen; schürft man hingegen gerne tiefer, bietet "Oil City Confidential" nun die beste Gelegenheit dazu.

FAZIT: "Oil City Confidential" erfährt in einer schick aufgemachten DVD-Fassung vielleicht die verdiente Aufmerksamkeit als subkulturelles Edutainment: gesellschaftliche und musikalische Entwicklungen in der westlichen Welt während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind im Falle dieses abendfüllenden Films selbst über eine verhältnismäßige Fußnote wie DR. FEELGOOD beziehungsweise gerade wegen dieses Untergrundstatus spannend vermittelt worden.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.09.2010

Tracklist

  1. Extras: Interviews

Besetzung

  • Bass

    John B. Sparkes

  • Gesang

    Lee Brilleaux, Wilko Johnson

  • Gitarre

    Lee Brilleaux, Wilko Johnson

  • Schlagzeug

    John Martin

Sonstiges

  • Label

    Cadiz

  • Spieldauer

    ca. 156:00

  • Erscheinungsdatum

    17.09.2010

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