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Dream Evil: In The Night

Stil: Melodic Metal

Cover: Dream Evil: In The Night

Was ist nur aus DREAM EVIL geworden? Zunächst gestartet als durchaus ernstzunehmendes Projekt um Produzent Fredrik Nordström, in der Schnittmenge aus kraftvollem Melodic Metal und knackigem Hard Rock, wird die Band in den letzten Jahren vor allem aufgrund „lustiger“ Song- und Albumtitel und entsprechender Texte wahrgenommen. Typische Metal-Klischees werden so weit und so oft auf die Spitze getrieben, wie man es nicht einmal von einer Band wie MANOWAR kennt. Natürlich hat man sich dadurch in gewisser Weise ein eigenes Profil erarbeitet, aber zwei, drei Songs pro Album würden auch genügen. Auf „In The Night“ hat man jedoch fast über die gesamte Spielzeit das Gefühl, dass typische Phrasen, klischeebeladene Ausdrücke oder Versatzstücke bekannter Songs nach dem Baukastenprinzip zusammengestückelt wurden, ohne dass wirklich viel Arbeit oder gar Herzblut in die Texte investiert wurde. Ganz zu schweigen von tiefergehenden, persönlichen Hintergründen, die man hier wohl gar nicht erwarten darf. DREAM EVIL wollen lediglich unterhalten. Leider wirkt die Umsetzung jedoch nicht immer so, als ob hier eine innig geliebte Stilrichtung augenzwinkernd, aber liebevoll auf die Schippe genommen wird. Im Gegenteil, teilweise entsteht sogar der Eindruck, die Band möchte es ins Lächerliche ziehen. Wenn Niklas Isfeldt beispielsweise im Eröffnungsstück immer wieder „we are immortal“ mit dermaßen übertriebenem Pathos intoniert, wirkt sein Ausdruck total überzogen und aufgesetzt. Zudem hat der Sänger seine Stärken eigentlich im Hard-Rock-Bereich und bei großen Hooks, verwandelt sich auf dem aktuellen Album aber immer mal wieder kurzzeitig in einen Metal-Screamer. Dadurch klingen Songs wie „In The Night“ oder „Bang Your Head“ fast nach einem Tribut an JUDAS PRIEST, bzw. in Verbindung mit den Texten nach einer Parodie, auch wenn er seine Sache sehr gut macht.

Dieser Eindruck verschleiert leider ein wenig, dass DREAM EVIL gegenüber vielen Konkurrenten immer noch einiges zu bieten haben. Besonders die rockigen, groovigen Stücke mit tollen Melodien und großen Refrains wie „See The Light“, „Electric“ oder das abschließende „The Unchosen One“ können wirklich begeistern. Vor allem der letzte Song passt mit seiner Dramatik hervorragend zur Band und ihrem Sänger. Hier werden sogar ausnahmsweise Orchestrierungen eingesetzt, wobei man dann aufgrund des oben beschriebenen Gesamteindrucks schon wieder zu zweifeln beginnt, ob solche Arrangements wirklich ernst gemeint sind. Eigentlich schade, denn die fetzigen Streicher-Parts passen perfekt, und für sich allein genommen würde man diesem Track nie irgendeine Art von „Witz“ unterstellen.

Bei einzelnen Nummern wie „The Ballad“ funktioniert der Humor von DREAM EVIL ausgezeichnet, eine kitschige, aber großartige Ballade mit entsprechendem, völlig überzogenem Text. Man muss einfach immer wieder grinsen, besonders, wenn die Band sich inbrünstig darüber beklagt, dass, egal wohin man gehen würde, einer immer schon da wäre: „that fucking Snowy Shaw!“ (schwedische Drummer-Legende und ehemaliges Bandmitglied).

Man kann der Band also nicht absprechen, dass sie mit hörbarem Spaß bei der Sache ist, die gesamte Performance klingt mitreißend und frisch. Dadurch gewinnen auch die nicht ganz so zwingenden Tracks, von denen sich einige eingeschlichen haben. So gibt es beispielsweise immer wieder tolle, oft mehrstimmige Gitarrensoli zu hören, die mit jeder Menge Gefühl und Ausdruck ein wenig an das Spiel von Andy LaRocque (KING DIAMOND) erinnern. Auch die Produktion ist gelungen, sehr druckvoll und modern, aber trotzdem lebendig und nicht zu komprimiert.

FAZIT: DREAM EVIL sollten vielleicht die übertriebene Metal-Attitüde ein bisschen zurückschrauben und stattdessen einfach ihre rockigen, eingängigen Nummern für sich sprechen lassen. Dass eine Band sich selbst und diese Musikrichtung nicht immer allzu ernst nimmt, ist ja durchaus begrüßenswert. Stellenweise wirkt dies auf „In The Night“ jedoch nicht mehr charmant und augenzwinkernd, sondern völlig durch den Kakao gezogen. So bleibt ein leicht fader Beigeschmack, obwohl man letztendlich doch gut unterhalten wird, und einige Stücke richtig packend geworden sind.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.01.2010

Tracklist

  1. Immortal
  2. In The Night
  3. Bang Your Head
  4. See The Light
  5. Electric
  6. Frostbite
  7. On The Wind
  8. The Ballad
  9. In The Fires Of The Sun
  10. Mean Machine
  11. Kill, Burn, Be Evil
  12. The Unchosen One

Besetzung

  • Bass

    Peter Stålfors

  • Gesang

    Niklas Isfeldt

  • Gitarre

    Fredrik Nordström, Daniel Varghamne

  • Schlagzeug

    Patrik Jerksten

Sonstiges

  • Label

    Century Media

  • Spieldauer

    46:37

  • Erscheinungsdatum

    22.01.2010

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