Welch liebevolles Re-Release MIG Music hier präsentiert! Ganze 36 Jahre nach der Ur-Veröffentlichung bekommt das dritte EPITAPH-Album „Outside The Law“ einen neuen Anstrich: Mit schickem Prägedruck-Cover, diversen Bonustracks, informativem Booklet und remastertem Sound. Letzteres scheint eine besonders gute Sache zu sein, denn die Klangqualität der Originalausgabe soll nicht berauschend gewesen sein. Wer sich allerdings in den ursprünglichen Sound so richtig reingehört hat, wird wahrscheinlich aufheulen und das nachträgliche Knöpfchendrehen im Tonstudio als Ketzerei verdammen.
Trotz Einordnung in die entsprechende Stilschublade klingt „Outside The Law“ gar nicht besonders krautrockig. Auf Elektronik verzichtend begeistert das Album eher als gleichermaßen fein ziseliertes also auch treibendes Hard-Rock-Album. Verschnörkelte, klar singende Twin-Lead-Gitarren kringeln wie Rauch aus den Boxen und erinnern vom Sound her an das, was Brian May auf dem QUEEN-Debüt zum Besten gab. WISHBONE ASH, LED ZEPPELIN und THE WHO geistern durch die PA, kräftiges Gitarrenspiel und zutiefst harmonische, teils mehrstimmige Gesangsharmonien prallen aufeinander, Pianospiel veredelt psychedelisch angehauchten Hard Rock und der Geist vergangener Hochzeiten kreativer Rockmusik schwebt in der grasrauchgeschwängerten Luft.
Diese Wiederveröffentlichung eignet sich für alte Rock-Hasen und neugierige Frischlinge, die sich schlau machen möchten, wie die Rocklandschaft in den Siebzigerjahren in Deutschland ausgesehen hat. Sammler freuen sich nebenbei noch über Bonus-Tracks von den „Lost Tapes“ aus dem Jahre 1976 und vier Live-Tracks vom Reunion-Konzert 2000. Das Booklet lädt mit reichlich Anekdoten zum Studieren ein und rundet dieses gelungene Re-Release gebührend ab.
FAZIT: Spannend für Kenner und Neukennenlerner. EPITAPH mögen dem modernen Rock-Hörer nicht zwangsweise ein Begriff sein. Mit dieser Reaktivierung alter Glanztaten im optimierten Soundkleid mag sich das ändern. Zu wünschen wäre es zumindest, denn EPITAPH haben ihren Beitrag zur Aufwertung der deutschen Rock-Geschichte zweifelsfrei geleistet.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.10.2010
Bernd Kolbe
Cliff Jackson, Bernd Kolbe
Cliff Jackson, Klaus Walz
Achim Wielert
MIG Music
73:35
29.10.2010