EQUILIBRIUM veröffentlichen mit neu verstärkter Mannschaft (Sänger und Drummer wurden ausgewechselt) ihr drittes Album „Rekreatur“. Fast könnte man meinen, die Bayern möchten sich für den Soundtrack zum nächsten „Pirates Of The Caribbean“-Film bewerben. Zum einen werden die Songs von klassischen und folkloristischen Parts dominiert, filmreif vorgetragen von bombastischen und dramatischen Orchester-Arrangements a la Hans Zimmer. Die Keyboards übernehmen somit meist die Melodieführung und degradieren die Gitarren oft zu reiner Rhythmusarbeit. Zum anderen gibt es wie in dem genannten Hollywood-Blockbuster genügend „Action“ (sprich harte Riffs und rasende Drums), der Humor kommt auch nicht zu kurz, und maritime Klänge und Themen finden Verwendung.
Auch wenn EQUILIBRIUM ein flottes Tempo bevorzugen und beschwingten Melodien nicht abgeneigt sind, lässt man sich nicht wie andere Vetreter des sogenannten Pagan Metal auf reine Sauf- und Party-Musik reduzieren. Immer wieder gibt es stimmungsvolle, dramatische Passagen voller Fanfaren und Streicher zu hören, wie sie perfekt zu einem Fantasy- oder Historien-Epos passen würden. Mit „Verbrannte Erde“ hat man zudem eine richtige Schlachthymne zu bieten, und das getragene, bombastische „Wenn Erdreich Bricht“ erinnert mit seinen klassischen Akkordwechseln und Melodien ein wenig an HAGGARD. Auch eine eher ungewöhnliche Nummer wie das leicht melancholische „Der Wassermann“ funktioniert ausgezeichnet.
Der Schwachpunkt von „Rekreatur“ ist ganz klar der Gesang. Robert Dahn variiert nur zwischen sehr tiefem Grollen und Black-Metal-Gekeife, das Resultat ist jeweils das gleiche: Man versteht kein einziges Wort. Somit vergeudet die Band ihre Möglichkeiten und nutzt nicht den besonderen Charme, der sich eigentlich aus der Verwendung der deutschen Sprache ergeben könnte. Zudem kann der Gesang keinerlei Akzente setzen, stattdessen wird die hochmelodische musikalische Vorlage größtenteils einfach „zugegrunzt“. Nur bei wenigen Passagen, vor allem den getragenen, fügt sich die Stimme rhythmisch und melodisch gut ein, aber auch dort kann man leider ohne Textblatt keinen Satz heraushören. Das ist um so bedauerlicher, als EQUILIBRIUM einen packenden, mitreißenden Part an den anderen reihen und über weite Strecken ein echtes Hit-Album abliefern. Oft folgt auf eine Refrain-würdige Passage noch eine Steigerung zu einem zweiten Refrain innerhalb eines Songs. Aber durch den eindimensionalen Gesang verliert das Material an Eingängigkeit, da dieser die eigentlichen Melodien zurückdrängt. Bezeichnenderweise ist dann auch das abschließende Instrumentalstück einer der Höhepunkte des Albums. Ironisch „Kurzes Epos“ betitelt, ist dieser überlange Track tatsächlich äußerst kurzweilig, spannend und abwechslungsreich arrangiert. Man ist regelrecht froh, dass endlich einmal nicht das „Krümelmonster from hell“ die ganzen Melodien und orchestralen Details mit seinem Gegrummel zerpflückt. Ganz vereinzelt setzen EQUILIBRIUM weiblichen Gesang ein, und diese Stellen lassen jedesmal aufhorchen, da sie sich aus dem vokalen Einheitsbrei abheben.
FAZIT: EQUILIBRIUM verbinden klassische, dramatische Film-Soundtracks, sowie Folk und Pagan Metal zu einer packenden, mitreißenden Mischung, zumindest musikalisch. Aber aufgrund der teilweise richtiggehend störenden Vocals gibt es einen deutlichen Punktabzug, hier wären mehr Abwechslung und Akzente nötig gewesen, vor allem aber einfach eine bessere Verständlichkeit. Mir persönlich sind auf „Rekreatur“ auch ein paar der schnellen Party-Nummern zu viel enthalten. Die getragene und epische Seite der Band kommt mit Songs wie „Verbrannte Erde“ und „Wenn Erdreich Bricht“ für meinen Geschmack ein wenig zu kurz.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.06.2010
Sandra Völkl
Robert Dahn
René Berthiaume, Andreas Völkl
René Berthiaume
Tuval Refaeli
Nuclear Blast
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18.06.2010