Bei GROBER KNÜPPEL ist der Name Programm - musikalisch wie textlich. Die seit 2006 bestehende Band veröffentlicht mit "Unbeugsam" ihr zweites Album und präsentiert sich darauf optisch in bester Böse-Buben-Manier: Bandanas, Sonnenbrillen, Band-Kapuzenpulli und weite Hosen. Sollte man sich dabei ein wenig an eine Band wie die SUICIDAL TENDENCIES erinnert fühlen, so ist das nicht allzu weit hergeholt, denn GROBER KNÜPPEL spielen eine ruppige Mischung aus Hardcore, Punk und Metal mit vereinzelten Versatzstücken aus dem HipHop. Dieser Crossover war besonders in den 90ern schwer angesagt und wer auch heute noch auf Bands wie BIOHAZARD, PRO-PAIN und BODY COUNT steht, könnte auch mit GROBER KNÜPPEL etwas anzufangen wissen.
Rein musikalisch gibt es an "Unbeugsam" auch gar nicht mal viel zu meckern. Die bunte Mischung wird mit knackiger Härte vorgetragen und angefangen bei schweren, düsteren Hardcore-Brocken, die an CROWBAR erinnern ("Unter Geiern") über Tanzbares und Grooviges wie "Hart sein", "Ein Gesicht" und "Mit Gott im Herzen und dem Teufel im Leib" bis hin zu schnellen Attacken wie dem Opener "Mit Vollgas an die Wand", dem punkigen "Rein, rein, rein" oder dem mit einem Speed Metal-Riff der alten Schule ausgestatteten "Wer schützt uns vor euch?" wird viel Abwechslung geboten. Die Gitarrenarbeit ist überaus gelungen und beschränkt sich nicht auf Geschrammel auf drei Akkorden und der kraftvolle Gesang von Van der Lubbe passt ganz hervorragend zum derben Soundbild. Die Songs haben ein hohes Maß an Eingängigkeit und gehen schnell ins Ohr und haben neben jeder Menge Energie auch gute Melodien zu bieten.
Aus gutem Grund blieben die Texte in diesem Review bisher außen vor, denn es bietet sich an, diese gesondert anzusprechen. Um es mal vorsichtig auszudrücken: Niveau wird bei GROBER KNÜPPEL eher klein geschrieben - ganz klein. Man hat Spaß daran, den Katalog an deutschen Schimpfwörtern und Kraftausdrücken abzuarbeiten, was hier und da ganz lustig erscheint, insgesamt aber etwas bemüht wirkt. Man spart nicht mit Kritik an der Gesellschaft und den Medien, besingt das harte Leben an sich, bemüht Onkelz-Pathos wenn es um die guten Freunde geht und widmet sich ausgiebig seinem Gemächt und dem, was man damit zu tun gedenkt. Im Falle von "Das Rohr" ist letzteres noch ganz amüsant, "Ein kleiner Arsch (ist schnell geleckt)" ist dagegen sexistischer Scheißdreck, auf den man nicht weiter eingehen muss. Der äußerst bildhaft beschriebene Vorgang der Arschkriecherei in "Rein, rein, rein" geht durchaus als gelungener Humor durch und der eindringliche Text von "Unter Geiern" gehört noch zum Besseren, was GROBER KNÜPPEL in dieser Hinsicht zu bieten haben. Über weite Strecken ist "Unbeugsam" lyrisch allerdings unter der qualitativen Gürtellinie anzusiedeln.
FAZIT: Musikalisch macht "Unbeugsam" gewiss Spaß, für die sprachlichen Unglanzleistungen ist aber ein deutlicher Punktabzug vonnöten.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.11.2010
Gato Carlo
Van der Lubbe
Snake, Tjaden
Cazzo Arrabbiato
Bandworm
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15.10.2010