Es ist gut, dass es Konstanten im Leben eines Menschen gibt. Bei mir war es die 5 in Mathe und die Tatsache, dass ich jede gefeierte BAD RELIGION-Scheibe zum Abgewöhnen finde. Eine weitere ist, dass Dave Wyndorf als einzig verbliebenes Gründungsmitglied mit MONSTER MAGNET seit 1990 und der ersten Single mit den phantastischen Songs „Lizard Johnny“ und „Freakshop USA“ mein Leben begleitet. Die allermeisten der damaligen Grunge-Helden sind mittlerweile vom Erdboden verschwunden oder wie die großartigen GOD'S ACRE nie wirklich wahrgenommen worden, obwohl MONSTER MAGNET eigentlich nie in die Grunge-Blase gepasst haben.
Zehn Jahre hielt sich die Band wacker und veröffentlichte eine großartige Scheibe nach der anderen, bei „God Says No“ war dann irgendwie die Luft raus und „Monolith, Baby“ war das mit Abstand schwächste Album der Band. Die geplante Tour wurde dann aufgrund einer wiederholten Tablettenvergiftung des Masterminds persönlich gecancelt, der nach Therapie mit „4-Way Diablo“ zurückkehrte. Nun sind weitere drei Jahre vergangen und lasst euch sagen, das aktuelle Werk zeigt, dass die Monster Magneten wieder auf Kurs sind.
„Mastermind“ ist anders geraten als die Vorgänger. Ganz leichte Tendenzen Richtung psychedelisch beladenem Frühwerk sind auszumachen, da hat aber die aktuelle KYLESA-Scheibe ganz klar die Nase vorn. Der stadiontaugliche Hardrock der Nuller ist zwar nicht gänzlich ausgemerzt, tritt aber gegen deutliche Seventies Rock-Anleihen in den Hintergrund. Allein der Opener „Hallucination Bomb“ mit seinem derben Bass-Intro ist die Anschaffung des Albums wert, der Track ist für MONSTER MAGNET-Verhältnisse beinahe doomig langsam, düster und groovend. Vielleicht „das“ Markenzeichen der Band war und ist Wyndorfs durchdringende Stimme, die auch nach zwanzig Jahren nichts an Charisma und Magie eingebüßt hat. Nach annähernd drei Minuten kippt der Song und endet spacig angehaucht mit BLACK SABBATH-Touch und ausgedehnten Gitarren-Soli. Phantastisch.
Das anschließende „Bored With Sorcery“ gibt dann Gas und kann durchaus mit den großen Hits der Band mithalten, auch hier ist der Space-Einschlag wieder aus der Mottenkiste gekramt, passt sich hervorragend ein und der im Hintergrund repetierte „Tripping Out“-Gesang ist durchaus amüsant. „Dig That Hole“ ist wieder düster und langsam, der verzerrte Bass spielt wie öfter auf „Mastermind“ neben dem Gänsehaut-erzeugendem Gesang eine tragende Rolle, die glasklare Produktion wirkt durch ihn nicht zu steril, sondern erhält trotz Trigger-Drums einen sehr erdigen passenden Sound. OK, eine Ausblendung hat der Song nicht verdient, aber man kann nicht alles haben. „Gods And Punks“ ist wohl die Single-Auskopplung aus dem Album, wer kauft eigentlich so einen Blödsinn? Wenn der Song gefällt, dann wird auch das ganze Album gefallen, ist er doch eingängig und transportiert viel von der Wyndorf'schen Magie ohne den Hörer zu überfordern.
Über eine Stunde Spielzeit will nicht nur gefüllt sondern auch möglichst Füller-frei gefüllt sein, das orchestral unterlegte „The Titan Who Cried Like A Baby“ wirkt wie ein zu lang geratenes, falsch platziertes und überflüssiges Intro - IRON MAIDEN lassen grüßen -, bevor der Titeltrack sich als relativ banaler Hardrock-Song entpuppt, der letztendlich von den ausgedehnten Gitarren-Soli lebt. „100 Million Miles“ geht wieder schwer in Richtung MONSTER MAGNET anno 1998, ein dreckiger erdiger Rocker mit Refrain, der sofort im Ohr bleibt, während „Perish In Fire“ sowohl rhythmisch als auch mit orientalisch angehauchter Melodie eher untypisch für die Band ist. „Time Machine“ ist eine gelungene Halb-Ballade, die an die großen Werke von THE BEVIS FROND Ende der Achtziger erinnert. Spätestens zu diesem Zeitpunkt tritt doch ein gewisser Gewöhnungseffekt auf, ruhige Songs wechseln sich doch recht vorhersehbar mit heavieren ab, „When The Planes Fall From The Sky“ ist wieder ungewohnt düster, schwer und mein persönliches Highlight von „Mastermind“, die beiden letzten Songs sind dann zwar nicht schlecht, bieten aber auch nichts weltbewegend Neues und hätten sicher auch gut zu Single-B-Seiten getaugt.
FAZIT: Deutlich besser als befürchtet meldet sich das Stoner-Rock-Flagschiff zurück. „Mastermind“ knüpft wieder an die Großtaten MONSTER MAGNETs zum Ende des letzten Jahrtausends an und ist eines der Rock-Glanzlichter des Jahres, belangloser Stadion-Hardrock ade, Erwachsensein und Düsterkeit willkommen. Daumen hoch!
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 23.10.2010
Jim Baglino
Dave Wyndorf
Ed Mundell, Phil Caivano, Dave Wyndorf
Bob Pantella
Napalm Records
60:15
29.10.2010