Auch die originellsten Speisen können nur gelingen, wenn man vernünftige Zutaten verwendet. Mit Fertigprodukten und minderwertiger Ware kommt man da nicht weit. Diese These lässt sich - im übertragenden, musikalischen Sinne - auch bei SIN7SINS aufstellen, denn das Utrechter Quintett, das sich hinter ach so coolen Pseudonymen und futuristischen Outfits versteckt, ist ein solcher Fall.
Die Idee, Gothic Metal und Nu Metal miteinander zu vermengen, hatten noch nicht all zu viele Kapellen, doch bei SIN7SINS hat all das Dargebotene einen billigen Beigeschmack. Riffs aus dem Instant-Pulver-Glas, die Keyboardglasur beinhaltet Süßstoff statt Zucker, das Gesamtergebnis wurde mit chemischen Hilfsmitteln gestreckt. Gen Morphines sporadisch eingesetzte Brutalostimme knuspert wie feuchtes Knäckebrot, und der Klargesang der Sängerin Lotus hat in etwa so viel Würze wie die 99-Cent-Mortadella im runden Blisterpack. Die mit der roten Ecke. Auf Kniehöhe.
FAZIT: Man stirbt vom Konsum des Debüts der NiederländerInnen keinesfalls, doch es gibt da draußen wahrlich Leckereres zu futtern. Werbeslogans á la „Mix aus RAMMSTEIN, EVANESCENCE und MARILYN MANSON“ sind zwar aufmerksamkeitsfördernd, doch letzten Endes nichts weiter als Etikettenschwindel – denn der Inhalt enttäuscht auf ganzer Linie. Wie meistens, wenn es sich um Retortenkost handelt.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.10.2010
JC Acid
Lotus
Gen Morphine, Tristan Hex
Armada XTC
Massacre Records
49:47
22.10.2010