Ursprünglich frontete Stefan Murphy die Pop-Punker THE SUBTONICS, doch recht bald wurde klar, dass die Band trotz vieler unkonventioneller Ideen und unorthodoxer Aktionen keine Formation für Plattenreleases war. Ohnehin sprudelten aus Murphys Gehirnwindungen zahlreiche Ideen, die sowieso nicht in den Bandkontext passen wollten.
Stilistisch ist das, was THE MIGHTY STEF fabrizieren, klar in Singer-/Songwriter-Gefilden zu Hause, doch anstatt nur die Wandergitarre umzuschnallen und dazu weise Worte zu trällern, reicht das Spektrum des irischen Musikerkollektivs viel weiter. Hier und dort wird es mal zurückhaltend punkig, rockt, und auch Indie-Sounds schimmern gerne mal hervor. Doch auch Country, Folk, Seemannsgarn, Fragmente von NICK CAVE, TOM WAITS, LEONARD COHEN, ELVIS PRESLEY, JOHNNY CASH, ERIC CLAPTON, THE POGUES, THE DUBLINERS und FLOGGING MOLLY, ja auch Rock'n'Roll, Chanson und traditionelle Musik Irlands haben sich auf dem mittlerweile zweiten Album lautstark niedergeschlagen.
Das homogene Ergebnis ist ein Sammelsurium richtiggehend kleiner Hits, wobei Eintönigkeit nicht nur dank der musikalischen Bandbreite ein Fremdwort ist, sondern auch dank der ausgeprägten Variabilität des Materials untereinander. Das Bindeglied, nein, das Tau, ach nein, das Drahtseil, das Musik und Hörer vereint, ist die unheimlich charismatische Stimme Stefans, die dich in ihren Bann zieht wie eine Mischung aus deinem besten Freund, der dir alles anvertraut und dem Onkel, der immer die tollsten Geschichten auf Lager hat.
Auch bei der Erwähnung der Gäste regiert das Staunen. So duettiert Murphy in "Safe At Home" mit Cait O'Riordan, und im TOWNES VAN ZANDT-Cover "Waitin' Around To Die" mit Shane Mac Gowan (beide ex-THE POGUES), doch auch ohne diese imposanten Auftritte steht dieses Album in seiner Gesamtheit großartig da - sehen wir diese Gastfeatures also einfach mal als zusätzliches Sahnehäubchen auf dieser akustischen Leckerei.
FAZIT: Besser und abwechslungsreicher geht moderne, stilistisch offene Singer-/Songwriter-Musik kaum, und wenn ein Album wie "100 Midnights" emotional <i>so</i> tief geht, kann es eigentlich nur - wenn auch aus subjektiver Sicht - das Zeug zum Genreklassiker haben. Einen Punkt Abzug gibt es allerdings für die Melodie von "Hound Dogs Of Love", die mich frappierend an frühe ENGELBERT HUMPERDINCK-Schnulzen erinnert und somit kindheitstraumatische Zustände in mir hervorruft.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.03.2010
Steve Fanning
Stefan Murphy (+ Cait O'Riordan, Shane Mac Gowan)
Bren Dempsey, Steve Fanning, Colm Rutledge, Philip Donnelly, Ger Kiely, Stefan Murphy
Brian Gallagher, Daniel Fitzpatrick
Michiel Hogerziel, Stefan Murphy
Zu viele Mitmusiker, um die auch noch aufzulisten...
Tone Toaster
55:47
05.03.2010