Und ewig heulen die Wölfe, lechzen die Blutsauger, buddeln die Grabschänder... Horrorpunk-Rocker machen ja vor kaum einer nachtaktiven Kreatur Halt. So auch nicht THE OTHER – denn ein bisschen Klischee muss sein. Deutschlands wohl mittlerweile erfolgreichste Band des Genres legt zum vierten Mal eine blutige Fährte, um verführungswillige Opfer in die musikalische Welt (un)menschlicher Abgründe zu ziehen. Scheinbar haben sie dafür sogar ihr vertrautes Fiendforce-Heim verlassen.
Nach einem zu erwartenden Horror-Movie-Intro startet „New Blood“ verhältnismäßig hart mit dem Punk-Thrash-Metal-Stück 'Back To The Cemetery' – guter Einstand, Jungs! Das lässt Ähnliches für den Rest der Platte hoffen. Und im Grunde sollte das Gros der Songs auch genau den Erwartungen der Horrorpunk-Fans gerecht werden. Ob mit Highspeed wie bei 'The Burial' oder mit gemäßigterem Tempo (z.B. 'Howling At The Moon') – lässt doch kein Track eine eingängige Hookline oder einen Mitgröl-Refrain missen.
Aus dem Rahmen fallen prinzipiell drei Titel: Leises Zähneknirschen löst 'Hier kommt die Dunkelheit' aus, welcher nach 'Der Tod Steht Dir gut' von der letzten Scheibe der zweite Versuch ist, deutsche Lyrics auf das Genre zu transferieren. Und nachwievor klingt es – die Musik mal außen vor gelassen – gewöhnungsbedürftig. Ein für die Band doch eher untypischer Sound begegnet dem Hörer bei 'The Lovesick Mind'. Der Düster-Rock-Sound inklusive plakativer Synthies scheint bestens geeignet, kleine unschuldige Gothic-Prinzesschen in die Fänge von THE OTHER zu locken. Viel Erfolg dabei! Gesangstechnisch hat der Track allerdings durchaus was. Damit fällt auch 'In Leage With The Devil' auf, denn Mr. Usher klingt auf dieser groovigen Nummer mehr denn je nach good old Glenn Danzig. Vielleicht liegt es auch einfach daran, weil das Stück als Ganzes wie aus Danzigs Post-Misfits-Phase anmutet.
FAZIT: Obgleich Horrorpunk in seinen Grenzen recht eng gesteckt erscheint, ist „New Blood“ überraschend vielfältig geraten und versucht einmal mehr, sich dem beständigen Misfits-Vergleich zu entziehen. Natürlich lässt sich deren Einfluss beileibe nicht wegreden – und das wäre ja im Grunde auch Selbstbetrug – aber das Grusel-Quartett vom Rhein hält inzwischen auch Tür und Ohr für andere Spielweisen offen und schafft es somit, der drohenden Monotonie zu entgehen. Für Genre-Liebhaber ist "New Blood" ganz sicher ein hämoglobinreicher Leckerbissen...
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.05.2010
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21.05.2010