THE PERMS stammen aus dem kanadischen Manitoba und spielen kraftvollen Blumenpoprock zwischen Neu (FOO FIGHTERS) und Alt (CHEAP TRICK).
Deshalb hat "Give Me All Your Lovin'" seinem Titel zum Trotz auch wenig mit dem Blues von ZZ TOP gemein, selbst wenn THE PERMS nicht weniger hittig unterwegs sind. Die Produktion ihrer vielversprechend betitelten CD ist für solche Musik nicht einmal besonders glatt und bauschig ausgefallen; gerade die Gitarren ätzen bisweilen ganz anders als auf vielen US-Saubermannplatten. "Running Away" stellt das alte Leid des juvenilen Versagers und bei Frauen Unverstandenen textlich heraus, wie die Gruppe überhaupt jedes Klischee bedient, gleichwohl mit dem notwendigen Augenzwinkern. Schließlich ist es nicht eben ein Leichtes, zwischen lecken Ölpipelines, kriselnder Wirtschaft und anhaltendem Krieg gegen irgendwelchen Terror einfach nur Spaß an den kleinen Nichtigkeiten des Lebens zu haben. Die konstant unter vier Minuten gehaltenen Songs von THE PERMS helfen, auch wenn ihr "Uh-Uh" ("World To Me") - und damit einhergehend - das durchweg für Nordamerika typische Themenfeld ehrlich gesagt in deutschen Haushalten leicht befremdlich erscheint.
College-Rock existiert in dieser Form eben in Europa nicht, und so klappen THE PERMS ähnlich wie Filme der "American Pie"-Machart: seichte Unterhaltung, die man sich aufgrund der anhaltenden Hollywood-Dominanz im cineastischen Betrieb aufdrücken lassen muss, auch wenn es lebensnähere und damit auch wahrhaftigere Bilder gibt. Andererseits sind wir alle bis zu einem gewissen Grad Eskapisten … und um bei der Musik zu bleiben: dem Alltag entkommt man vor allem trefflich mit dem euphorisierenden Dreier aus "Nightshift", "Who Are You Fooling" und "It Won't Hurt At All". Speziell mit melancholischem Unterton entfalten die Lieder von THE PERMS sich am besten, denn hier zeigt sich bei aller Ausblendung der oft bitteren Realität die Einsicht, dass man hinter einer Fassade Schutz sucht - und zumindest für einen Abend oder über die Länge einer CD hinweg ist dies ja durchaus legitim.
FAZIT: THE PERMS empfehlen sich dem Freund der immer etwas übersehenen CHEAP TRICK, auch wenn man kein vergleichbar brillantes instrumentales Feuerwerk erwarten sollte. Daneben gibt es noch Anklänge an softe QUEENS OF THE STONE AGE, WEEZER und andere Dinge, die das Nerd-Leben erträglich machen. Kanada hat nun einen weiteren Kandidaten, der sich an solchen Adressen hinten anstellen darf, aber noch nicht anführt.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 19.08.2010
Shane Smith
Chad Smith
Chad Smith, John Huver
Jaime Carrasco
Hugtight Records / SoCan
42:21
05.09.2010