Dass es sich bei THE PROPHECY²³ um eine deutsche Band handelt, ist ihrer Musik nicht an zu hören. Ich war nach den ersten zwei Umläufen der festen Überzeugung, es hier mit einer amerikanischen Band zu tun zu haben. Dementsprechend sind die musikalischen Einflüsse auch vollständig in Übersee zu verorten. Neben den Genre-üblichen Slayer- und Bay-Area-Reminiszenzen kommt in diesem Fall noch eine sympathische Ostküsten-Schlagseite in Richtung S.O.D./M.O.D., bzw. NUCLEAR ASSAULT und artverwandter Bands hinzu. Das Ganze wird dann garniert mit teils recht extremen Gesang, der auch schon mal in Richtung Death Metal-Grunts und Gekreisch a la KATAKLYSM tendiert.
Am besten gefällt mir die Band, wenn die erwähnten Ostküsten-Einflüsse dominieren und die Geschwindigkeit bei normalen Thrash-Vocals deutlich anzieht. Das macht richtig Spaß. Das Gegrunze und Midtempo-Riff-Geschiebe unterscheidet sich halt nicht groß von dem, was viele andere Bands auch zu bieten haben. Dementsprechend sehe ich als Highlights Songs wie „B.T.M.”, “From The Basement To The Pit”, “Mind Your Own Shit” oder “23 Thrash B.C.” an, die mit simplen aber effizienten Riffs zügig auf den Punkt kommen.
Das Artwork erinnert mich vom Stil und seinem giftigen Grün etwas an MUNICIPAL WASTE. Auf jeden Fall scheint die Band viel Sinn für Humor zu haben, zumindest wenn man das dem sinnlosesten aller Filme gewidmete „Surf Nazis Must Die“ als Maßstab nimmt.
FAZIT: Auch die deutschen Vertreter der neuen Thrash-Welle schaffen es nicht, der Musikrichtung ihren eigenen Stempel auf zu prägen, sondern beschränken sich auf das Aufkochen altbekannter Zutaten, auch wenn sie dabei stellenweise viel Charme an den Tag legen. Daraus folgt: Empfehlung an die Thrash-Lunatics, der Rest: reinhören.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.08.2010
Tobias Scheid
Tobias Scheid, Hannes Klopprogge
Hannes Klopprogge, Dennis Lidak
Florian Sanden
Massacre Records
46:12
16.07.2010