„Sie heißen ENDHAMMER, ÜBERGAS und TREIBSTOFF. Junge Männer, die ihre Wut zu harter Musik herausschreien.“ So würde wahrscheinlich ein Spiegel-Artikel über TEIBSTOFF beginnen...
Zum Glück sind wir aber nicht bei diesem Blatt, sondern wissen, worüber wir hier reden, und deshalb lasst euch kurz und knapp sagen, dass das Dortmunder Quartett TREIBSTOFF zwar wie blöde klaut, aber das Ergebnis zählt und das ist nahezu perfekter Groove Metal zwischen den eng beieinander liegenden Polen PANTERA und DOWN, bei „Zurückentwicklung“ muss auch noch das „Four Horseman“-Riff von METALLICA dran glauben. Verpackt sind die Songs in einen modernen, aber organischen Sound, der aufs Heftigste drückt und schiebt, wobei die Gitarren-Soli ohne gedoppelte Rhythmus-Gitarren herrlich old-school rüberkommen.
Das Rezept ist nicht neu, was TREIBSTOFF aber von ähnlich gelagerten Fällen unterscheidet, sind die deutschen Texte. Sänger Florian macht etwas, was einerseits irritiert, andererseits aber wie die Faust auf Auge passt. Statt wie viele seiner Kollegen nervtötend englische Floskeln falsch zu intonieren, dreht er den Spieß um und drückt seinen kämpferischen deutschen Texten einen fetten Stempel englischen Sprachfluss auf, was permanent aufgestellten Nackenhaaren entgegenwirkt und nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung wirklich Spaß macht.
FAZIT: Der selbstproduzierte Erstling „Wer wir sind“ enthält zwar nur vier Songs, die haben es aber in sich und machen neugierig auf einen Longplayer. Auch wenn Eigenständigkeit noch nicht ganz groß geschrieben wird, haben TREIBSTOFF echtes Potential und sind sicher eine mitreißende Live-Band. Warum hier noch kein Label zugeschlagen hat, ist mir unbegreiflich. Anchecken dringend angeraten.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.11.2010
Christian Nitsch
Florian Strack
Marcus Schulz
Timo Paschen
Eigenproduktion
18:21
04.09.2010