Nach dem ersten Überfliegen des Info-Materials hatte ich zugegebenermaßen nicht all zu viel erwartet. "Melodischer Power Metal" mit einer Dame am Mikro las sich spontan nach der x-ten Kitsch-Keyboard-lastigen Nightwish-Kopie. Aber weit gefehlt. Erstens klingt Frontfrau Ida Haukland keinen Millimeter nach Tarja Turunen und Konsorten, sondern erinnert mit ihrem kraftvollen Organ eher an eine Mischung aus Jutta Weinhold (ZED YAGO) und Leather Leone (u.a. CHASTAIN) mit einer deutlichen eigenen Note. Zweitens gibt es Keyboards nur als dezente Untermalung der Songs, ansonsten regelt die Axt und das tut sie bisweilen erfreulich knackig. Und drittens und wichtigstens komponieren TRIOSPHERE richtig tolle Songs, ohne dabei nach irgendwelchen derzeit angesagten Trendbands zu klingen. Spätestens nach dem zweiten Umlauf setzen sich die Melodien nachhaltig fest, vor allem für treffsichere Refrains hat die Band ein echtes Händchen. Die Hitdichte ist auf Albumdistanz fast schon beängstigend hoch. Dabei reicht die Bandbreite von heftigen Bangern wie „Driven“, das von der Melodieführung ein wenig an RAGE erinnert oder „Worlds Apart“, bis zu eher getragenen Songs wie „Marionette“. Kein Wunder, dass das Rock Hard die Band im vergangenen Jahr im Rahmen eines Artikels über die besten 20 Newcomer berücksichtigte.
Auch in Hinblick auf die Gitarrenarbeit können TRIOSPHERE punkten. Neben packenden Riffs, die gekonnt traditionelle und modernere Einflüsse verbinden, gibt es technisch versierte, songdienliche, melodische Gitarrensoli zu bestaunen, das Ganze verpackt in einen natürlichen Sound, ohne Getrigger und Einheitsklang. Das Debüt kommt mir auf jeden Fall noch ins Haus.
FAZIT: Das Zweitwerk von TRIOSPHERE hat viel mehr zu bieten als es vielleicht auf den ersten, oberflächlichen Blick scheinen mag und es wäre sehr schade, wenn dieses Klasse-Album in der Veröffentlichungsflut untergehen würde. Denn die Band verfügt über ein erfreulich hohes Maß an Eigenständigkeit und vor allem beachtliche kompositorische und musikalische Fähigkeiten. Eine meiner persönlichen Entdeckungen des Jahres.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.06.2010
Ida Hauckland
Ida Hauckland
Marius Silver Bergesen, T.O. Byberg
Orjan Jorgensen
AFM
51:46
28.05.2010