Nach mehrjähriger Pause hat Nagash (THE KOVENANT, Ex-DIMMU BORGIR) seine erste Band TROLL zum zweiten Mal reanimiert. Nachdem die letzten Alben "The Last Predators" (2000) und "Universal" (2001) aufgrund ihrer experimentellen Ausrichtung nicht viel Anklang fanden, hat sich Nagash mitsamt komplett neuer Bandbesetzung wieder auf ursprünglichere, norwegische Black Metal-Klänge konzentriert. Und so stellt man sich beim Genuss von "Neo-Satanic Supremacy" schon fast zwangsläufig die Frage, ob Nagash den Sound früher DIMMU BORGIR geprägt hat oder umgekehrt.
Denn obwohl das Album sound- und produktionstechnisch zeitgemäß aus den Boxen donnert, erinnert die Musik an sich immer wieder an die Frühwerke (bis "Enthrone Darkness Triumphant") der norwegischen Chartstürmer. Besonders die Keyboard-Arrangements kommen einem immer wieder bekannt vor, hier schimmert aber auch "Nexus Polaris", das erste Album von Nagashs anderer Band THE KOVENANT, die sich damals noch COVENANT schrieb, durch. Um zu verhindern, dass TROLL im Jahre 2009 nur als Kopie durchgehen, werden immer wieder Thrash-Elemente gekonnt eingeflochten, hin und wieder geht es auch in Richtung Death Metal.
Nagashs Bandkumpanen sind zwar bislang nicht in anderen bekannten Bands in Erscheinung getreten, machen ihre Sache aber ausgesprochen gut, das garstige Gekeife des Frontmannes weiß ebenfalls zu Gefallen. Und da es auch noch gelingt, gute Songs zu schreiben, kann man über die mangelnde Eigenständigkeit getrost hinwegsehen. In der Tracklist lässt sich dann eine gewisse Dreiteilung feststellen. Los geht es mit vier recht harten Tracks, von denen besonders das thrashige "Alt For Satan" und der oldschoolige Ohrwurm "Burn The Witch" (trotz des ausgelutschten "when there's no more place in hell, the dead will walk the earth"-Zitats) überzeugen können. Der Mittelteil mit "Morkets Skoger" und "Hvor Taken Ligger Sa Trist Og Gra" gerät dann deutlich bombastischer, besonders letztgenannter Song überzeugt mit hymnischer Melancholie und getragenem Rythmus. Bei den letzten vier Tracks packen TROLL dann wieder die Speedkeule aus, besonders der Titeltrack bietet zweieinhalb Minuten feinster Raserei, das abschließende "Age Of Satan" ist ebenfalls ein Schlag in die Fresse (der von Nagash verhassten Christenschar).
Fazit: Nein, neuartig ist an "Neo-Satanic Supremacy" mal so gar nichts. Das ist aber dann nebensächlich, wenn das Gebotene trotzdem so unterhaltsam ist, wie in diesem Fall. In Ansätzen melodisch, mit hohem Maß an giftiger Aggression und mit einer kraftvollen Produktion zelebrieren TROLL Black Metal nach dem norwegischen Reinheitsgebot.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.01.2010
Vold
Nagash
Tlaloc, Nagash
Exilis
Ygg
Napalm Records
41:14
29.01.2010