Zurück

Reviews

Alter Bridge: Live From Amsterdam

Stil: Rock

Cover: Alter Bridge: Live From Amsterdam

Man mag von Mark Tremonti halten, was man will, und seine angeblichen Extrem-Metal-Roots ebenso in Zweifel ziehen wie seine Gitarrenkünste, auf welche die Fachpresse einhellig steilzugehen scheint (Was tun, wenn man nicht mit jedem weiteren Jahrgang die gleichen Vintage-Themen und Träume vom heiligen Gibson-Gral durchkauen kann?): ALTER BRIDGE sind, so man der Beschäftigung mit dem häufig recht unsympathisch wirkenden Musiker nicht aus dem Weg gehen kann oder will, gegenüber CREED die eindeutig bessere, substanziellere akustische Wahl.

Diese Live-Compilation rückt Tremontis Bild ein wenig gerade. Man muss seine Meinung revidieren, sobald man das Herzblut des Klampfers fließen sieht. Auch der Rest seiner Truppe hinterlässt in der keinesfalls nur als Zubrot dienenden Dokumentation einen blendenden Eindruck. Der Europäer erfährt zunächst wenig Neues: Der südliche Kontinent sei etwa besonders leidenschaftlich, was während eines Akustikgigs in Mailand unterdessen nicht der Fall zu sein scheint. Wenn Myles Kennedy Cohens "Hallelujah" anstimmt, weiß das Publikum entweder wenig damit anzufangen, oder die Fans sind vor Ehrfurcht erstarrt. Wie dem auch sei: Die Wahl dieses Songs deutet gleichzeitig darauf hin, wes Geistes Kind der Frontmann ist. Die Musiker führen ihre unterschiedlichen Geschmäcker und Charaktereigenschaften weiter aus und letztlich den Erfolg von ALTER BRIDGE auf selbige zurück, was nicht einmal vermessen klingt. Beeindruckender als Erörterungen zur alltäglichen Tournee-Tretmühle sind die Eingeständnisse, die die Gruppe an ihre Fans macht. Die vermeintlichen Sternchen scheuen sich zum Beispiel weder vor Autogrammen (wobei man sich über die profitgeile Ebay-Kultur mokiert) noch Einladungen verhältnismäßiger Laien auf die Bühne, um gemeinsam abzuhotten.

Insidern wird die divergierende Einschätzung der jeweiligen Lieblingssongs interessanter vorkommen als dem nüchternen Betrachter beziehungsweise Hobbymusiker. Gerade dieser darf sich dafür das Motto "song is paramount" für die eigene Kunst hinter die Ohren schreiben und weiterhin gut und gerne auf die Ausführungen der Roadies sowie Erinnerungen an die ersten Instrumente der Bandmitglieder verzichten. Unbedingt sehenswert ist dann der Amsterdamer Gig an sich, angenehm geschnitten und mit Hinblick auf die Dynamik geschickt mit intimen Barhocker-Sequenzen gespickt. Dass letztlich die großen Versprechungen überwiegen, man solle gemeinsam "screamen" und diese "fucked up world" dadurch "changen", stand von Beginn an zu erwarten und macht breitbeinigen Stadionrock eben aus. Dass dieser dennoch authentisch bleiben kann und nicht nach zwei Liedern überschaubar wird, haben ALTER BRIDGE spätestens mit ihrem letzten Album bewiesen. Was den Inhalt betrifft, ist es am Ende allein die Geste, die zählt; vergleicht man die Gruppe mit ähnlichen Millionensellern, hat sie mit Hinblick auf ihre textliche Tiefe die Nase vorn.

FAZIT: Der Wert von ALTER BRIDGEs erster DVD beziehungsweise Liveplatte übersteigt den ähnlicher Veröffentlichungen der Konkurrenz bei weitem: Tonträger, Bildträger, tatsächlich informative Dokumentation sowie liebevolle Aufmachung - und das alles höchst professionell durchgezogen. Die Musik? Breitwandiger Schwelgesound zwischen sogenanntem Post-Grunge und einigen Siebziger-Momenten … aber das wisst ihr ja sowieso schon längst.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 09.01.2011

Tracklist

  1. DVD tracklist:
  2. Come To Life
  3. Find The Real
  4. Before Tomorrow Comes
  5. Brand New Start
  6. White Knuckles
  7. Buried Alive
  8. Coming Home
  9. One Day Remains
  10. Watch Over You (Acoustic)
  11. Ties That Bind
  12. Blackbird
  13. In Loving Memory
  14. Metalingus
  15. Open Your Eyes
  16. Broken Wings
  17. New Way To Live
  18. Mud Bone
  19. Rise Today
  20. Track List
  21. Come To Life
  22. Before Tomorrow Comes
  23. Brand New Start
  24. White Knuckles
  25. Buried Alive
  26. One Day Remains
  27. Watch Over You (Acoustic)
  28. Ties That Bind
  29. Blackbird
  30. In Loving Memory
  31. Metalingus
  32. Open Your Eyes
  33. Broken Wings
  34. Rise Today

Besetzung

  • Bass

    Brian Marshall

  • Gesang

    Myles Kennedy

  • Gitarre

    Mark Tremonti, Myles Kennedy

  • Schlagzeug

    Scott Phillips

Sonstiges

  • Label

    DC3 Recordings / Alter Bridge Music

  • Spieldauer

    75:46 + 151:42

  • Erscheinungsdatum

    10.12.2010

© Musikreviews.de